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Eingezäunt.

Geld regiert die Welt — das ist nichts Neues. Da wird auch bei finanziell klam­men Stu­den­ten nicht Halt gemacht. Neuester Coup ist der Verkauf sämtlich­er Park­plätze vor den Wohn­heimen des Stu­den­ten­werkes Chem­nitz-Zwick­au in pri­vate Hand. Ich hab mal biss­chen recher­chiert und möchte hier die Ergeb­nisse mit euch teilen.

Schon in der let­zten Woche kon­nte man auf den Stu­den­ten-Park­plätzen reges Treiben beobacht­en: Es wur­den mas­sive Stahlp­fos­ten in den Boden betoniert und ich freute mich, dass in Zukun­ft nicht jed­er Hinz und Kunz auf die Fläche gelangt. Doch erstens kommt es anders, zweit­ens als man denkt: Ende der Woche nun eine Mail vom StuWe:

Sehr geehrte Mieter,

im Jahr 2013 wur­den die Gara­gen­höfe zwis­chen Ihrem Wohn­heim und der Vet­tersstraße vom SIB an einen pri­vat­en Investor verkauft. Dieser Investor wird die entsprechen­den Bere­iche nun bis Anfang April einzäunen und dort ab 1.Mai 2014 pri­vate Stellplätze ein­richt­en.

Bitte parken Sie Fahrzeug von nun an nicht mehr in dem entsprechen­den Bere­ich, da es son­st mit eingezäunt oder schlimm­sten­falls sog­ar abgeschleppt wer­den kön­nte. Im Anhang find­en Sie eine Über­sicht der betrof­fe­nen Bere­iche an der Vet­tersstraße.

Soll­ten Sie Inter­esse an einem solchen Stellplatz haben, kon­tak­tieren Sie bitte:

Park­grund GmbH
Sitz: Glumestr. 6, 14469 Pots­dam

E-Mail m.baur@parkgrund.de

Eine ganz feine Sache. Zur Erk­lärung: Das genan­nte SIB ist der Staats­be­trieb Säch­sis­ches Immo­bilien und Bau­man­age­ment. Der bish­erige Eigen­tümer war also im groben Sinne die Tech­nis­che Uni­ver­sität Chem­nitz, die sich wohl haupt­säch­lich aus finanziellen Grün­den dazu entsch­ied die Grund­stücke zu verkaufen. Wahrschein­lich sind die Kosten des Neubaus des Adolf-Fer­di­nand-Wein­hold-Baus aus dem Rud­er gelaufen, aber das ist eine andere Geschichte.

Wie in der Mail geschildert, befand sich im Anhang eine Über­sicht der betrof­fe­nen Bere­iche, die ich euch natür­lich nicht voren­thal­ten will.

Parkplatz Vettersstraße 54 parkplatzpläne vettersstraße parkgrund_2 parkplatzpläne vettersstraße parkgrund_3

Ins­ge­samt geht es also um 118 Stell­flächen, die ohne großes Zutun des Eigen­tümers Gewinn auss­chüt­ten. Apro­pos Eigen­tümer: Das ist in Zukun­ft die Park­grund GmbH mit Sitz in Pots­dam. Geschäfts­führer ist Matthias Baur, der im Inter­net nur spär­lich Infor­ma­tio­nen über sich preis­gibt. Ein Blick in das Han­del­sreg­is­ter ver­rät, dass das Immo­bilienun­ternehmen erst am 2. Juli 2013 einge­tra­gen wurde und mit einem Startkap­i­tal von 80.000 Euro arbeit­et. Schaut man sich den Sitz der Park­grund GmbH auf Google Maps an, wird schnell klar, dass mit den Geschäften nicht wenig Geld fließt.

Parkgrund-Potsdam

In ruhiger Lage inmit­ten zahlre­ich­er Villen gele­gen, scheint sich Dr. Matthias Baur niederge­lassen zu haben. Auch der Weg zu Naher­hol­ungs­ge­bi­eten ist ist nicht weit, Schloss “Sanssouci” (wie passend) liegt gle­ich um die Ecke.

Bleibt noch die abschließende Frage nach dem Preis. Natür­lich habe ich direkt ange­fragt, zu welchen Kon­di­tio­nen die Stell­flächen zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Antwort: Selb­st Stu­den­ten müssen monatlich nicht wenige 14,80 Euro auf den Tisch leg­en. Da sind die Chem­nitzer Gara­gen­plätze mit 30 Euro ein regel­recht­es Schnäp­pchen. Rech­net man nun alle Stellplätze zusam­men, so kommt die Park­grund GmbH auf einen monatlichen Umsatz von rund 1468 Euro (Net­to — Steuern bere­its ein­gerech­net) — allein in der Chem­nitzer Vet­tersstraße.

Faz­it: Was hat sich die SIB nur dabei gedacht. Natür­lich sollte der Haushalt aus­geglichen sein und die Zahlen stim­men, doch muss das auf dem Rück­en der Stu­den­ten geschehen, die sowieso klamm bei Kasse sind? Nach­dem die Wohn­heim­mi­eten im März um 10 Euro gestiegen sind, wäre ich allein vom moralis­chen Stand­punkt her nicht in der Lage einen Stellplatz zu mieten. Hof­fentlich sehen das auch andere so und der Kauf stellt sich von Seit­en der Park­grund GmbH als Flop her­aus. Denn wir wohnen hier in Chem­nitz und nicht in ein­er schnöseli­gen Großs­tadt!

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