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Toshiba Chromebook 2 im Alltagstest.

Im Seg­ment der Note­book-Betrieb­ssys­teme stre­it­en sich seit Jahren Microsoft und Apple um Mark­tan­teile. Frei nach dem Sprich­wort “Wenn sich zwei stre­it­en, freut sich der Dritte” hat der Soft­ware-Gigant Google vor einiger Zeit ein eigenes Chrome OS ins Leben gerufen. Nun rollt bei den Hard­ware-Her­stellern die zweite Geräte-Gen­er­a­tion an und das japanis­che Unternehmen Toshi­ba ist wieder vorn mit dabei. Ob sich das 13,3 Zoll große Note­book mit abge­speck­tem Betrieb­ssys­tem auch im mobilen All­t­ag lohnt, habe ich in den let­zten Wochen ver­sucht her­auszufind­en.

Als im Sep­tem­ber let­zten Jahres wieder die Inter­na­tionale Funkausstel­lung (kurz IFA) auf das Berlin­er Messegelände rief, war auch Toshi­ba mit etlichen Neuheit­en vertreten. So auch mit der Weit­er­en­twick­lung des markeneige­nen Chrome­book, das mir von einem net­ten Mitar­beit­er aus­führlich gezeigt und erk­lärt wurde. Er machte mir den Mund ger­adezu wäss­rig nach Soft­ware-Puris­mus und so war es nur eine Frage der Zeit, dass ich mir ein Test­gerät ergat­terte. Mit dem europäis­chen Mark­t­start vor eini­gen Wochen war es dann soweit.

Design und Verarbeitungsqualität

Von außen und im aus­geschal­teten Zus­tand sieht das Note­book aus wie jedes andere Win­dows-Gerät. Beim Design wagt Toshi­ba keine son­der­lichen Exper­i­mente. Die Rück­seite ist ger­if­felt und so beson­ders grif­fig. Lei­der beste­ht das Gehäuse kom­plett aus etwas bil­lig wirk­en­dem Kun­st­stoff. Glänzen kann das Toshi­ba Chrome­book 2 jedoch durch die kom­pak­ten Abmaße und das geringe Gewicht: 320 mm Bre­ite, 214 mm Höhe sowie 19,3 mm Dicke ermöglichen eine Masse von nur 1,3 kg. Per­fekt also für den mobilen Ein­satz.

20150614-Toshiba-Chromebook-2-Tastatur

Die Ver­ar­beitungsqual­ität ist durch­schnit­tlich — auch auf­grund des rig­orosen, bil­lig wirk­enden Kun­st­stof­fein­satzes. Im geöffneten Zus­tand lässt sich das Dis­play ver­winden und dann knarzt es auch hier und da. Die etwas gewöh­nungs­bedürftige Tas­tatur (Caps Lock sowie Ent­fer­nen-Taste fehlt, Dimen­sio­nen vari­ieren) weist einen kurzen Druck­punkt auf, woran man sich jedoch im All­t­ag schnell gewöh­nt.

Hardware

Die Note­book-Hard­ware des Chrome­book 2 von Toshi­ba ist im Ver­gle­ich zu den Win­dows-Pen­dants recht schwach. Zwar gibt’s ein gestochen schar­fes Full­HD-Dis­play, das bei ein­er Größe von 13,3 Zoll mit sat­ten Far­ben und sehr guten Hel­ligkeitswerten aufwarten kann, jedoch lassen Rechen­pow­er und Spe­ich­er zu Wün­schen übrig. So werkelt unter der Haube ein Celeron N2840 Dual-Core-Prozes­sor von Intel mit ein­er Tak­tleis­tung von 2,58 GHz, der Zugriff auf durch­schnit­tliche 4 GB Arbeitsspe­ich­er besitzt. Auf eine dedi­zierte Graphikkarte müssen Kun­den verzicht­en.

Im All­t­ag kommt die Com­bo dabei schnell an ihre Gren­zen — selb­st Youtube-Videos in der nativ­en Auflö­sung 1080p kom­men hin und wieder auf­grund der schwachen Leis­tung ins Stock­en. Dateien kön­nen lokal auf der 16 GB großen kleinen SSD gespe­ichert wer­den. Per SD-Karte kann die Kapaz­ität erweit­ert wer­den. Überzeu­gen kön­nen auf jeden Fall die Skull­can­dy-Stere­o­laut­sprech­er, die unter der Tas­tatur inte­gri­ert sind und einen über­durch­schnit­tlichen Sound bieten. Mehr als löblich gestal­tet sich auch die Akku­laufzeit, die der Her­steller mit 9 Stun­den angibt. Das kon­nte ich im All­t­ag nicht ganz erre­ichen, aber 7–8 Stun­den waren dur­chaus drin.

20150614-Toshiba-Chromebook-2-seitenansichten

Betriebssystem

Als beson­ders inter­es­sant gestal­tet sich der Blick auf Googles Betrieb­ssys­tem Chrome OS, das recht spar­tanisch daher kommt. Nach dem schnellen Ein­richt­en per Google-Kon­to empfängt dem Nutzer der all­seits bekan­nte Desk­top. Unten befind­et sich eine Taskleiste, die den schnellen Zugriff auf Apps ermöglicht. Da wären wir auch schon beim ersten Unter­schied: Pro­gramme kom­men ähn­lich wie beim mobilen Betrieb­ssys­tem Android als Apps zum Ein­satz, die aus­nahm­sweise per Web Store herun­terge­laden wer­den kön­nen. Vorin­stal­liert sind wichtige Anwen­dun­gen wie ein Datei-Explor­er, Rech­n­er sowie die üblichen Google-Apps.

Die Kern­funk­tio­nen laufen dabei zum Großteil über Googles Web­brows­er Chrome, der das Herzstück des Sys­tems darstellt. Geladene App­lika­tio­nen wie Microsoft Out­look oder auch die Bürosoft­ware Office erstellen lediglich einen Link zum zuge­höri­gen Online-Dienst. Das ist auf keinem Fall neg­a­tiv gemeint, jedoch sollte im Hin­terkopf behal­ten wer­den, dass für pro­duk­tives Arbeit­en eine Inter­netverbindung zwin­gend notwendig ist. Ein Manko ist dabei die fehlende Möglichkeit per SIM-Karte und Mobil­funkmod­ul ins weltweite Daten­netz zu gelan­gen. Ein WLAN-Net­zw­erk sollte also unbe­d­ingt in Reich­weite sein. So gren­zt Google seinen Kun­den den Arbeits­bere­ich unnötig ein, den Grund-Pro­gramme etwa zur Textver­ar­beitung, Präsen­ta­tion­ser­stel­lung oder Tabel­lenkalku­la­tion hät­ten dur­chaus auf der Fest­plat­te Platz find­en kön­nen. Schade.

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Auch in Sachen App-Umfang bek­leck­ert sich der Soft­waregi­gant nicht ger­ade mit Ruhm. Zwar find­en sich im Chrome Web Store zu vie­len The­menge­bi­eten Anwen­dun­gen, jedoch ist etliche Adware dabei. Auch die Qual­ität hängt zum Großteil der Konkur­renz hin­ter­her. Leis­tung­shun­grige Arbeit­en wie Videobear­beitung oder pro­fes­sionelle Foto­bear­beitung sollte lieber auf gewohn­tem MacOS- oder Win­dows-Ter­rain erfol­gen.

Fazit

Ich per­sön­lich bin in den let­zten Wochen nicht wirk­lich warm gewor­den — sowohl mit dem Toshi­ba Chrome­book 2, vor allem aber mit dem Betrieb­ssys­tem Chrome OS. Klar sind die Geräte preiswert und bieten die wichtig­sten Funk­tio­nen für den mobilen Ein­satz, jedoch bricht sich Google genau damit das Genick. Denn ohne Web-Anbindung sieht es duster aus im Chrome-OS-Land und die Geräte kön­nen kaum pro­duk­tiv genutzt wer­den. Auch die Hard­ware ist besten­falls durch­schnit­tlich, nehmen wir das scharfe, helle Dis­play und den aus­dauern­den Akku ein­mal her­aus. Schade, ich hat­te mir per­sön­lich mehr erhofft.

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Für wen eignet sich nun ein solch­es Chrome­book?! Nun, mein­er Mei­n­ung nach eignet es sich für alle Google-Jünger, deren Dateien sowieso auf den Servern des Großkonz­erns lagern und die mobil nur die nötig­sten Auf­gaben abar­beit­en wollen — Inter­netverbindung voraus­ge­set­zt. Alle anderen soll­ten weit­er­hin nach Apple- oder Microsoft-Geräten Auss­chau hal­ten.

Würdet ihr euch ein Note­book mit Chrome OS zule­gen?

Link­tipp: Eine per­sön­liche Ein­schätzung, ob sich Googles Chrome OS für Blog­ger und Jour­nal­is­ten eignet, find­et sich bei den Net­zpi­loten.

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