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Microsoft Surface Pro 4 im Alltagstest.

Mit den Tablets ist es ja so eine Sache. Als Apples iPad und die ersten Android-Geräte das Licht der Welt erblick­ten gal­ten die mobilen Begleit­er vor allem als Unter­hal­tungs­gad­gets. Mit der Sur­face-Serie ver­suchte der Soft­waregi­gant Microsoft in dem Seg­ment Fuß zu fassen — mit pro­duk­tiv­en Hin­ter­grund. Nach einem hol­pri­gen Start der Bau­rei­he sind Sur­face Pro 4 und Co der Bench­mark in Sachen Mobil­ität und Pro­duk­tiv­ität. Doch wie schlägt sich das aktuelle Mod­ell im Stu­den­te­nall­t­ag? Mit dem Beginn des neuen Semes­ter hat­te ich die Möglichkeit das her­auszufind­en.

Bish­er waren Tablets für mich recht unin­ter­es­sant. Der große Mehrw­ert für ein Extra-Gerät gegenüber einem Note­book erschloss sich mir nicht wirk­lich. Und nur zum Kon­sum­ieren von Webin­hal­ten, zum Zock­en oder Filmeschauen im Bett lohnte sich mein­er Mei­n­ung nach ein solch­es Mobil­gerät nicht. Mit der Sur­face-Serie wollte Microsoft die Eigen­schaften um eine für mich beson­ders wichtige ergänzen: Pro­duk­tiv­ität. Die ersten Gen­er­a­tio­nen erfüll­ten diesen Anspruch eher schlecht als recht, doch spätestens seit dem Sur­face Pro 3 sind die Geräte eine echte Option für pflicht­be­wusste Stu­den­ten. Anfang April ergab sich nun für mich die Gele­gen­heit ein Test­gerät von Microsoft Deutsch­land auf Herz und Nieren zu testen.

Zahlen, Daten, Fakten

Schon die Ver­pack­ung kommt hochw­er­tig und stil­sich­er daher und ver­mit­telt von außen die hohe Qual­ität des Pro­duk­tes. Nach dem Öff­nen des Schobers kommt das Tablet selb­st zum Vorschein. Darunter befind­en sich der mit­gelieferte Sty­lus sowie ein kom­pak­tes 2,58-A-Netzteil, das außer­dem einen USB-Port zum Laden des Mobil­tele­fons besitzt. Eine Schnell­star­tan­leitung und Infor­ma­tio­nen zum Betrieb­ssys­tem run­det das Paket ab. In ein­er Extraver­pack­ung befand sich das Type Cov­er, das in der seit März erhältlichen Fin­ger­print-Vari­ante dazu geliefert wurde und eben­so als Dis­playschutz dient. Beim Aus­pack­en des Sur­face Pro 4 fällt sofort die hochw­er­tige Ver­ar­beitung und Mate­ri­al­wahl ins Auge. Das Gehäuse beste­ht nahezu kom­plett aus Mag­ne­sium und besitzt eine gute Grif­figkeit. Lei­der merkt man auch sofort das recht hohe Gewicht von 786g. Ein län­geres Hal­ten frei­hand ist nahezu unmöglich. Die Abmes­sun­gen von 292 x 201 x 8,4 mm bestärken das Ganze. Doch dafür ist das Microsoft-Gerät ja auch nicht gedacht.

In Sachen Kon­nek­tiv­ität gibt es vieles was das Pro­duk­tiv­ität­sherz begehrt. Auf der recht­en Seite befind­en sich ein Dis­play- und USB-3.0-Port sowie ein mag­netis­ch­er Stro­man­schluss, der an die Apple-Mechanik erin­nert. Eben­falls mag­netisch ist die Schnittstelle für die Tas­tatur auf der Unter­seite. Nahezu blind lässt sich das Type Cov­er hierüber andock­en. Die linke Seite bietet eine Klinken­buchse sowie Platz für den Sty­lus, der gle­icher­weise über eine mag­netis­che Verbindung befes­tigt wer­den kann. Unter dem Kick­stand ver­steckt sich des Weit­eren ein microS­DXC-Kartenslot. Lei­der verzichtet Microsoft auf einen SD-Kartenslot, der mir beson­ders als Schnittstelle für den Import von Kam­er­aauf­nah­men fehlt. Eine weit­ere Stärke des Tablets ist die Viel­seit­igkeit: Nutzt man das Sur­face Pro 4 auf dem Tisch “nackt” ohne Tas­tatur kann über den Kick­stand der Winkel frei eingestellt wer­den. Dockt man das Type Cov­er an, trans­formiert sich das Gerät zu einem leis­tungs­fähi­gen Ultra­book.

20160416-Surface-Pro-4-Seiten

Apro­pos “leis­tungs­fähig”. Wer­fen wir einen kurzen Blick in die tech­nis­chen Dat­en des Test­geräts. Je nach Anforderun­gen und Bud­get gibt es ver­schiedene Ver­sio­nen des Sur­face Pro 4. Das Sam­ple dürfte hier­bei die gold­e­nen Mitte darstellen. Im Inneren werkelt der potente 2015er Intel i5-6300U Zwei-Kern-Prozes­sor, der mit ein­er Grund­tak­trate von 2,4 GHz arbeit­et und zusät­zlich eine Over­boost-Funk­tion auf bis zu 3 GHz bietet. Zudem ist die Grafikein­heit Intel HD Graph­ics 520 inte­gri­ert. Für ein flottes Arbeit­stem­po sor­gen 8 GB DDR3-RAM. Der interne Spe­ich­er beträgt 256 GB. Das Gesamt­paket ist für den mobilen Ein­satz mehr als ordentlich und dürfte nur wenige Wün­sche offen lassen. Ein beson­deres Schmankerl ist das 12,3 Zoll große Dis­play mit Pix­elSense-Tech­nolo­gie. Es bietet eine Auflö­sung von 2.736x1.824 Pix­el und damit eine Pix­eldichte von in der Klasse über­durch­schnit­tlichen 267 ppi. Dank 3:2-Verhältnis lassen sich die Inhalte geschick­ter darstellen als bei 16:9-Kinovarianten.

Genaue Dat­en zum Akku ver­birgt Microsoft, laut Daten­blatt sollen aber 9 Stun­den Vide­owieder­gabe drin sein. Für Fotos und Videos ste­ht eine 8 Megapix­el Haup­tkam­era zur Ver­fü­gung, die Bewegt­bilder in 1080p aufze­ich­nen kann. Die Ergeb­nisse über­rascht­en mich dur­chaus pos­i­tiv, auch wenn ich per­sön­lich finde, dass mit einem Tablet nicht fotografiert wer­den sollte. Einige Test­fo­tos sind am Ende des Artikels zu sehen. Für das schnelle “Ein­scan­nen” von Doku­menten ist das Mod­ul auf jeden Fall sehr prak­tisch. Auf der Front­seite befind­et sich für beispiel­sweise Skype-Anrufe eine 5 Megapix­el auflösende Kam­era, die in Videos in High Def­i­n­i­tion aufn­immt. Ein echter Kom­fort­gewinn ist die Infrarotkam­era links daneben, über die das Gerät per Gesicht­serken­nung (Win­dows Hel­lo) entsper­rt wer­den kann. Das funk­tion­ierte im All­t­ag recht zuver­läs­sig, auch wenn es hin und wieder zu Erken­nung­sprob­le­men kam. Zuver­läs­siger ist da das Entsper­ren per Fin­ger­ab­druck­sen­sor im neuen Type Cov­er. Richtig beein­druck­end sind die rechts und links neben dem Dis­play inte­gri­erten Stere­o­laut­sprech­er. Sowohl Klangqual­ität als auch Laut­stärke kann sich mit dem Nexus 9 von HTC/Google messen. Vor allem die auf­grund des fehlen­den Vol­u­mens oft stiefmüt­ter­lich behan­del­ten tiefen Töne kom­men doch ordentlich zur Gel­tung.

Alltagserfahrungen

Wie bere­its ange­sprochen hat­te ich das Sur­face Pro 4 zum Großteil mein­er Zeit in den let­zten bei­den Wochen im Ein­satz — sowohl an der Uni, auf dem heimis­chen Schreibtisch, aber auch unter­wegs in Bahn und Fern­bus. Natür­lich kann das keinen Langzeittest wider­spiegeln und doch kon­nte ich mir einen guten Überblick über die Funk­tionsvielfalt ver­schaf­fen. Die Ein­rich­tung des Tablets ist dank Microsoft-Account schnell durchge­führt, etliche Ein­stel­lun­gen wer­den beim ersten Anmelden direkt aus der Cloud über­nom­men und man fühlt sich qua­si wie daheim. Befind­et man sich am Schreibtisch ist die opti­male Stand­po­si­tion schnell gefun­den. Anders sieht das unter­wegs in Bahn und Bus aus. Dadurch, dass der Kick­stand einiges an Platz in Anspruch nimmt, lässt sich eine gute Posi­tion nur schw­er find­en. Eine Nutzung auf dem Schoß ist nur mit sehr lan­gen Ober­schenkeln möglich, ich per­sön­lich fand nur sel­ten eine geeignete Sitz­po­si­tion. Das ist bei herkömm­lichen Note­book­mod­ellen deut­lich ein­fach­er.

Dafür ist das Ver­wen­den des Sty­lus in Verbindung des schar­fen, hellen Dis­plays eine echte Offen­barung: Die Respon­siv­ität ist ein­fach phänom­e­nal und die 1024 ver­füg­baren Druck­stufen ermöglichen einen dif­feren­zierten Ein­satz. Das Schreibge­fühl kommt dem per Zettel und Stift sehr nahe. Der Ein­druck wird durch leis­tungsstarke vorin­stal­lierte Soft­ware wie “Draw­board PDF” oder “Fresh Paint” ver­stärkt. Let­zteres lässt jeden Laien zu einem kleinen Kün­stler mutieren. Nie war es ein­fach­er virtuell kleine Kunst­werke zu malen. Wid­met sich hinge­gen dem Ergänzen von Uni-Skripten stellen sich schnell die Gren­zen des zwar leis­tungs­fähi­gen, aber auch ultra­kom­pak­ten Gerätes her­aus: Ist das Dis­play per­ma­nent an entwick­elt das Sur­face Pro 4 eine große Wärmeen­ergie. Die will die Steuerung über den in den i5/i7-Mod­ellen inte­gri­erten Lüfter fol­gerichtig abführen. Neben dem unüber­hör­baren Geräusch schmilzt dann natür­lich auch die Akku­laufzeit schneller als einem lieb ist. Aus einem ver­sproch­enen Tag ohne Steck­dose wer­den dann schnell nur noch 3–4 Stun­den — das kön­nen viele Note­books bess­er. Dann hil­ft nur noch die Aktivierung des Stromspar­modus und das Deak­tivieren von WLAN und Co. Doch ist das die richtige Lösung?

Einen Dau­men nach oben gibt es für die Pro­duk­tiv­ität in Verbindung mit dem Type Cov­er. Die Tas­tatur kann entwed­er flach auf den Tisch oder per Mag­net an die Unter­seite des Dis­plays angepin­nt wer­den (siehe Artikelfo­to). Dadurch entste­ht eine sehr gute Schreib­po­si­tion. Auch der Druck­punkt ist angenehm. Des Weit­eren ermöglicht die homo­gene Beleuch­tung des Cov­ers, die über mehrere Stufen reg­uliert wer­den kann, das Find­en der richti­gen Buch­staben — auch bei dun­klerer Umge­bung. Einziger Kri­tikpunkt stellte das plöt­zliche undefinier­bare Tren­nen der Tas­tatur während des Tip­pens dar. Ent­fer­nen und erneutes Andock­en behob das Prob­lem. Ein Grund dafür kön­nte ein sich andeu­ten­der Kabel­bruch in der Falz an der Andock­stelle sein. Das dürfte allerd­ings angesichts des Kauf­preis­es von 180 Euro nicht passieren.
20160416-Surface-Pro-4-Tastatur-FalzUnd wie sieht es mit der Paradediszi­plin für Tablets aus — der Unter­hal­tung? Ähn­lich wie Apple und Google hat Microsoft einen eige­nen App-Store ein­gerichtet, aus dem schnell und unkom­pliziert Anwen­dun­gen geladen und anschließend genutzt wer­den kön­nen. Dazu zählen zum Großteil Mediatheken von ARD, ZDF und Co, Stream­ing­di­en­ste wie Net­flix oder auch Games aus allen Bere­ichen mit direk­ter Anbindung an Xbox Live. Lei­der fehlen Inhalte von Google wie eine Youtube-App kom­plett. Hier muss wie am PC über den Web­brows­er gegan­gen wer­den. Das ist aber dur­chaus zu ver­schmerzen. Anders sieht das bei der Per­for­mance manch aufwendi­ger Spiele aus. Auf­grund der hohen Dis­playau­flö­sung ist die Grafikein­heit hin und wieder in der Leis­tungs­gren­ze und quit­tiert das mit hoher Wärmeen­twick­lung und leicht­en Ruck­lern. Ersteres ver­hin­dert gar ein Spie­len in der Hand. Hinzu kommt, dass bei Akku­be­trieb in den Abend­stun­den ein deut­lich­es Flack­ern des Dis­plays ein­set­zt. Das soll wohl am Energies­par­modus des Prozes­sors liegen, der die Bild­wieder­hol­fre­quenz spür­bar her­ab­set­zt und so für das Flack­ern sorgt. Eine Behe­bung des Prob­lems mit­tels Treiberup­date wurde noch nicht kom­mu­niziert.

Fazit zum Surface Pro 4

Ins­ge­samt geht das Sur­face Pro 4 mit gemis­cht­en Gefühlen zurück zu Microsoft. Pos­i­tiv sind vor allem Mobil­ität, Viel­seit­igkeit sowie Pro­duk­tiv­ität aufge­fall­en: Nie war es ein­fach­er so viel Per­for­mance in ein­er so kom­pak­ten Bauweise zu nutzen. Vor allem als Note­book-Ersatz mit Zugriff auf eine Steck­dose ist das Tablet eine Empfehlung wert. Auch für Men­schen, die entwed­er kün­st­lerisch oder notarisch einen Sty­lus nutzen, ist das Tablet die erste Wahl. Doch ger­ade in ein­er der kol­portierten Paradediszi­plinen ver­sagte das Gerät: der Akku­laufzeit. Ger­ade für mich als Stu­dent, der unter­wegs oder in der Uni nicht immer Zugriff auf eine Steck­dose hat, ein her­ber Nachteil, den auch das qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Type Cov­er nicht aufwiegen kann. Hinzu kommt, dass das Sur­face Pro 4 unter Last eben­so laut wird wie ein herkömm­lich­es Note- oder Ultra­book. Und dieser Zus­tand ist schnell erre­icht, wenn man Tablet etwas länger mit Dis­play-On nutzt. Vor allem hin­sichtlich des Preis­es sind das doch schw­er­wiegende Nachteile: Das getestete Mod­ell* kommt inklu­sive Type Cov­er auf über 1.500 Euro. Dafür gibt es auch leis­tungs­fähigere Ultra­books, die in Sachen Mobil­ität kaum hin­ten an ste­hen. Microsoft muss hier stark Acht geben, dass es nicht in eine eigene “Apple-Manie” ver­fällt. Für mich heißt das erst ein­mal weit­er nach geeigneten Pro­duk­tivtablets die Augen offen zu hal­ten.


Zu guter Let­zt einige Test­fo­tos der Haup­tkam­era:

*Part­ner­link

6 Comments

  1. Hey,

    mit­tler­weile gibt es Ultra­books, die gute Leis­tung brin­gen und trotz­dem geräusch­los sind, da flüs­sigkeits­gekühlt (z.B. die “Acer Switch Alpha 12” Mod­elle).

    Und wenn man ein schick­es schmales Gehäuse eines Ultra­books zusam­men mit ein­er dedi­zierten Grafikkarte für’s gamen will, dann nimmt man das “Leno­vo Yoga 710” oder ein “Microsoft Sur­face Book” mit NVidia-Grafikkarte.

    Gruß

    • Hi Olli,
      vie­len Dank für den Tipp! Werde mir mal die Acer-Mod­elle anschauen.

      Viele Grüße
      Jonas

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  4. Hal­lo,

    ich habe mich zwar nicht für ein M-Sur­face aber doch für ein Kon­vert­ibel (Toshi­ba) entsch­ieden.
    Ger­ade bin ich etwas am Testen und was ich super finde ist OneNote (eine Frage ver­wen­d­est du OneNote2016 oder OneNote(die neue vorin­stal­lierte App))?

    Was ich störend finde, das man bei OneNote nicht A4 ein­stellen kann und dann je eine neue Seite erstellt wird!
    Wenn man end­los Seite ver­wen­det dann passt das Lay­out, sollte man sich mal etwas aus­druck­en, nicht!
    Hast du mir da einen Tipp, was man am besten ver­wen­det, damit man die End­los-Funk­tion, aber auch „Druck­gerecht“ schreibt?

    Ich würde mich mega über eine Antwort freuen! Vie­len Dank
    LG

    • Hal­lo Fra­gen­der :),

      vie­len Dank für dein Inter­esse. Lei­der bin ich vor einiger Zeit in Sachen Tablet zum iPad Pro gewech­selt. Darauf kommt auch nicht OneNote zum Ein­satz, son­dern Ever­note oder Google Noti­zen. Deshalb kann ich dir bei der Lay­out-Geschichte lei­der nicht helfen. Sor­ry! 🙂

      Viele Grüße
      Jonas

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