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Goldener Oktober auf der Bastei?

Herb­stzeit ist Wan­derzeit. Und was bietet sich hier im Sach­sen­lande bess­er an als ein Abstech­er in die Säch­sis­che Schweiz. Da ich ein paar Tage Urlaub hat­te, ging es zur all­seits bekan­nten Bastei, die ich vor mehr als 14 Jahren das let­zte Mal besuchte. Doch die Idee hat­te ich nicht allein. Von entspan­nt men­schen­freien Stun­den in der Natur kann heute nicht mehr die Rede sein.

Das Elb­sand­steinge­birge, im Volksmund Säch­sis­che Schweiz genan­nt, zählt zu den Perlen meines Heimat-Bun­des­lan­des Sach­sen. Südöstlich der Lan­deshaupt­stadt Dres­den gele­gen, ist sie durch ihre charak­ter­is­tisch schrof­fen Sand­ste­in­felsen ein beliebtes Aus­flugsziel für Naturlieb­haber, Wan­der­er und Klet­ter­er. Ein beson­der­er Touris­ten-Hotspot ist dabei die Basteibrücke — ein Jahrhun­derte altes Bauw­erk mit her­rlich­er Aus­sicht auf das Umland. Als Kind war ich das let­zte Mal da und hat­te nur vage Erin­nerun­gen an die Gegend. Bewaffnet mit mein­er Kam­era wollte ich ein­mal mehr die traumhafte Natur — qua­si auf den Spuren der Kind­heit — erkun­den.

Über die Süd­seite der Elbe sollte es über Pir­na und Strup­pen zum Kurort Rathen gehen. Das Fahrzeug wurde auf dem oberen Park­platz abgestellt und mit der Fähre hinüber zum hüb­sch herg­erichteten Städtchen gefahren. Es war 10 Uhr und ich merk­te schon da: Die Zeit­en, in denen man entspan­nt empor wan­dern kon­nte, sind vor­bei. Mit der ein oder anderen Fotopause ging es hin­auf zur Stein­brücke. Gemein­sam im Pulk mit Dutzen­den Touris­ten. Entspan­nt ist etwas anderes.

Hinzu kommt der immer pop­ulär­er wer­dende Self­i­etrend. Jed­er ver­suchte den besten Schnapp­schuss von sich und der Aus­sicht zu ergat­tern; Genuss war und ist da ein Fremd­wort. Klar kön­nte man ein­hak­en und sagen, die Hob­by-Fotografen tun ja nichts anderes. Doch die Selb­stin­sze­nierung hat mit­tler­weile einen so ego­is­tis­chen Grad erre­icht, dass sich Per­so­n­en vor­drän­geln um exponierte Stellen für sich zu vere­in­nah­men und nur wenig Rück­sicht auf Mit­men­schen ins­beson­dere Fam­i­lien nehmen. Eine Art Ellen­bo­genge­sellschaft um die schön­sten Self­ies.

Fernab der Touristenautobahnen ist Ruhe

Etwas geruh­samer ging es anschließend über Rathen­walde, Hohn­stein und der markan­ten Fels­for­ma­tion “Loko­mo­tive” zurück über den Amselsee in den Kurort Rathen. Dort lohnt sich beson­ders der Auf­stieg zur “Kleinen Bastei”. Ger­ade ein­mal zwei Men­schen traf ich auf den Weg dahin und man kam schön ins Gespräch. Am Aus­blick selb­st ist man nahezu allein.

Mit Son­nenun­ter­gang ging es dann wieder erschöpft und mit gemis­cht­en Gefühlen hinüber zum Park­platz. Was macht dieser Massen­touris­mus mit dem Naturschutzge­bi­et? Und vor allem wie viele Men­schen wird diese Region noch aushal­ten kön­nen? Ich entsch­ied für mich in Zukun­ft wieder auf die weniger bekan­nten Routen auszuwe­ichen. Dort wo man auch von all dem Men­schen­trubel abschal­ten und die Natur auch wirk­lich genießen kann.

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