Zum Inhalt springen

Faszinierende Fanfreuden beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

Zu einem guten Start ins neue Jahr gehört für mich das Neu­jahrs­sprin­gen der Vier­schan­zen­tour­nee in Gar­misch-Par­ten­kir­chen obli­ga­to­risch dazu. In diesem Jahr fie­ber­te ich nicht am TV mit den inter­na­tio­na­len Ath­le­ten mit, son­dern live vor Ort an der opu­len­ten Olym­pia­schan­ze. Einige Ein­drü­cke des win­ter­li­chen Sportereignisses.

Ich habe Lieb­lings­sport­ar­ten, deren Fas­zi­na­ti­on ich nur schwer erklä­ren kann. Eine davon ist Ski­sprin­gen. Men­schen – ursprüng­lich Männer – stür­zen sich eine künst­li­che 100 Meter lange Schan­ze hin­un­ter, beschleu­ni­gen in fünf Sekun­den auf 90 Kilo­me­ter pro Stunde und sprin­gen dann über 120 Meter den Berg hinab. Toll! Doch es ist viel mehr: Prä­zi­si­on, Sprung­kraft, Reak­ti­on und nicht zuletzt ein Quänt­chen Glück. Das zeigt ein­drück­lich die aktu­el­le Doku „Fly“ in der ARD Media­thek. Aber dazu später mehr.

Eine Anfahrt mit Hindernissen

An diesem Neu­jahrs­tag 2026 ist Petrus auf der Seite der Sport­ler und uns Ski­sprung­fans. Bei Kai­ser­wet­ter und Tem­pe­ra­tu­ren um ‑3 Grad Cel­si­us machen wir uns auf den Weg nach Gar­misch-Par­ten­kir­chen. Von Mün­chen star­tet pünkt­lich 10.10 Uhr der Son­der­zug nach Kain­zen­s­bad. Die aus­ge­las­se­ne Stim­mung erhält kurz nach Tutz­ing ihren ersten Dämp­fer: „Auf­grund der fros­ti­gen Tem­pe­ra­tu­ren sind die Bahn­über­gän­ge ein­ge­fro­ren. Die Wei­ter­fahrt ver­zö­gert sich um einige Minu­ten.“, schallt es aus den Bahn-Laut­spre­chern. So han­geln wir uns in Schritt­ge­schwin­dig­keit von Über­gang zu Über­gang durch das Alpenvorland.

Mitt­ler­wei­le ist der Bom­bar­dier Dop­pel­stock­wa­gen bis auf den letz­ten Platz gefüllt. In der unte­ren Etage werden Steh­plät­ze rar. An den Bahn­hö­fen lassen sich des­halb immer öfter die Türen nicht schlie­ßen, Mit­fah­ren­de lösen die Licht­schran­ken aus. Mit 45 Minu­ten Ver­spä­tung errei­chen wir den Bahn­hof Gar­misch-Par­ten­kir­chen. Von hier wären es nur wenige Minu­ten bis zur Son­der­hal­te­stel­le. Doch das ein­zel­ne Gleis auf der Tran­sit­stre­cke nach Öster­reich ist belegt und so errei­chen wir nach wei­te­ren 15 Minu­ten Warten erst nach 2,5 Stun­den Fahrt unser Ziel.

Ein Stehtribünenplatz mit Abstrichen

Schnell ori­en­tiert, wir müssen zu Ein­gang Ost. Mit hun­der­ten andere Men­schen, die mit dem Zug anreis­ten. Am Ein­lass zum Sta­di­on erwar­ten uns eine Ticket- sowie Taschen­kon­trol­le. Sechs Schleu­sen beschleu­ni­gen den Pro­zess. In weni­gen Minu­ten sind wir auf dem Gelän­de. Mitt­ler­wei­le meldet sich der Magen. Wir ent­schei­den uns für eine Brat­wurst gegen 6,50 Euro. Vor dem ersten Biss geht’s auf die Steh­tri­bü­ne Ost, die bereits gut gefüllt ist. Wir kommen gerade noch recht­zei­tig zu den letz­ten Sprin­gern im Pro­be­durch­gang. Genuss­voll beißen wir in die Wurst und merken, dass sie zwar nicht güns­tig, aber über­aus sät­ti­gend ist.

Als sich die deut­schen Hoff­nungs­trä­ger Felix Hoff­mann und Phil­ipp Rai­mund vom Balken abdrü­cken und den Hang hin­un­ter­stür­zen, jubeln wir Fans bereits aus­ge­las­sen. Ein­zi­ger Wer­muts­trop­fen: Der Blick von der Steh­tri­bü­ne auf die Schan­ze ist zwar beein­dru­ckend, aller­dings ist das Gesche­hen einige Meter ent­fernt. Der Aus­lauf ist gar nicht ein­seh­bar. Trotz­dem sind wir gespannt auf den ersten Durch­gang, bei dem die 50 Sprin­ger im Duell gegen­ein­an­der antre­ten. Wir nutzen die Pause, um unsere Stie­fel mit Wär­me­soh­len (gespon­ser­ter Link) aus­zu­stat­ten. Denn bei Tem­pe­ra­tu­ren knapp unter dem Gefrier­punkt sind diese ein will­kom­me­nes Must-Have.

Ein Wettbewerb mit Spannungsabfall

Kurz nach 14 Uhr star­tet mit dem Slo­we­nen Rok Oblak der erste Sprin­ger. So rich­tig laut wird es aller­dings erst beim zwei­ten Aus­schei­dungs­du­ell als Andre­as Wel­lin­ger die Gar­mi­scher Luft unter die Skier nimmt. Er ver­liert seinen „Kampf“ aber ebenso wie Karl Geiger, der kurz danach unglück­li­cher­wei­se gegen Pius Pasch­ke star­tet. Dass die Vier­schan­zen­tour­nee auch eine medi­en­wirk­sa­me Aus­ein­an­der­set­zung Deutsch­land gegen Öster­reich ist, wird beim Jubel der zahl­rei­chen öster­rei­chi­schen Fans deut­lich. Sie feuern etwa Jonas Schus­ter, Sohn von Deutsch­lands Ex-Trai­ner Werner Schus­ter, Vor­jah­res­sie­ger Daniel Tsch­ofe­nig oder Oldie Manuel Fett­ner beson­ders an.

Gän­se­haut­mo­men­te gibt es auch bei den Publi­kums­lieb­lin­gen Ryōyū Koba­ya­shi, Simon Ammann oder Kamil Stoch, der nach dieser Saison seine Kar­rie­re been­det. Als dann die deut­schen Hoff­nungs­trä­ger Felix Hoff­mann und Phil­ipp Rai­mund in den Wett­be­werb star­ten kennt die Eupho­rie kein Halten mehr. Mit ein langen „Ziiiii­ieeeeeh“ tragen 22.000 Men­schen die Ath­le­ten durch die Luft. Beide Flüge enden mit einem sau­be­ren Tele­mark bei beein­dru­cken­den 134 Metern. Für die Spitze reicht es nicht ganz, denn Jan Hörl (141 Meter) und Domen Prevc (143 Meter) kna­cken wenig über­ra­schend die 140-Meter-Marke.

Ein zweiter Durchgang mit variierenden Bedingungen

Als dann zum Ende des ersten Durch­gangs die Sonne lang­sam hinter dem Gudi­berg ver­schwin­det, wird es kälter im Sta­di­on. Die per­fek­te Gele­gen­heit für einen Glüh­wein aus den mobi­len Kanis­tern für durch­aus faire 4,50 Euro. In der 15-minü­ti­ge Pause helfen Par­ty­tän­ze und Lao­la­wel­len beim Warm­hal­ten. In Win­des­ei­le star­tet der zweite Durch­gang. Und das ist wört­lich zu nehmen, denn durch die unter­ge­hen­de Sonne frischt der Wind im wei­te­ren Laufe des Wett­be­werbs spür­bar auf. Nun kommt das aus­ge­klü­gel­te Punk­te­sys­tem zum Tragen, das die Sprün­ge mit unter­schied­li­chen Bedin­gun­gen ver­gleich­bar machen soll.

Und doch gelingt es eini­gen Sport­lern über 140 Meter weit zu sprin­gen. Zuerst knackt Rou­ti­nier Ryōyū Koba­ya­shi die Marke und macht damit auch in der Tages­wer­tung einen Sprung nach vorn. Der Öster­rei­cher Ste­phan Emba­cher, der tags zuvor mit 145,5 Metern einen neuen Schan­zen­re­kord auf­stell­te, landet nach 141,5 Metern im mitt­ler­wei­le beleuch­te­ten Schnee. Eine Liga für sich ist einmal mehr der Favo­rit Domen Prevc. Er springt bei schlech­ten Wind­ver­hält­nis­sen 141 Meter weit und gewinnt am Ende klar. Die Stim­mung im Sta­di­on bleibt bis zur Sie­ger­eh­rung gut, denn mit Platz 6 für Felix Hoff­mann und Platz 7 für Phil­ipp Rai­mund endet der Tag so ver­söhn­lich wie der Son­nen­un­ter­gang über dem Zug­spitz­mas­siv. Und die anschlie­ßen­de Rück­rei­se nach Mün­chen, auf der es keine wei­te­ren Ver­spä­tun­gen gibt.

Fazit: Vier-Schanzen-Tournee als gesellschaftliches Spektakel

Mit dem Besuch des Neu­jahrs­sprin­gens in Gar­misch-Par­ten­kir­chen hat sich für mich ein klei­ner Traum erfüllt. Nicht nur weil ich die letz­ten Jahre voller Span­nung die Vier­schan­zen­tour­nee am TV ver­folgt habe. Auch des­halb, weil ich in Kind­heits­ta­gen im nahen Mit­ten­wald oft meinen Herbst­ur­laub ver­brach­te und damals stau­nend an der Olym­pia­schan­ze vorbei fuhr. Diesen Zauber konnte ich nun selbst erfah­ren. Mit allen Höhen und Tiefen. Die Stim­mung der 22.000 Zuschau­en­den war gran­di­os, die prä­zi­sen und fast schon artis­ti­schen Sprün­ge regel­recht surreal.

Aller­dings ist die Sicht im Sta­di­on alles andere als erst­klas­sig. Bühnen, Zelte und nicht zuletzt die Con­tai­ner der ein­zel­nen Teams ver­sper­ren die Sicht auf das Gesche­hen. Der Ticket­preis von 44 Euro für dieses Erleb­nis ist gerade noch ver­tret­bar. In Zukunft werde ich das Sprin­gen jedoch wieder im TV ver­fol­gen. Ent­spannt im Warmen ohne Anrei­se­stress auf der kusche­li­gen Couch.

Ver­folgst Du über den Jah­res­wech­sel die Vier­schan­zen­tour­nee? Wel­ches Neu­jahrs­ri­tu­al hast Du?

Panorama Neujahrsspringen
Fei­er­stim­mung beim Neujahrsspringen

Entdecke mehr von Jonas’ Blog

Melde dich für ein Abon­ne­ment an, um die neu­es­ten Bei­trä­ge per E‑Mail zu erhalten.

Kommentar verfassen