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Mit dem Auto auf Entdeckungstour durch das Elsass.

Das untere Elsass rund um die Euro­pa­stadt Straß­burg hat so einige schöne Ecken zu bieten. Am besten lassen sich die klei­nen Orte, his­to­ri­schen Klos­ter und ordent­lich sor­tier­ten Wein­ber­ge mit dem Auto erkun­den. Wir haben einige Kilo­me­ter der traum­haf­ten Ser­pen­tin­stra­ßen unter die Räder genom­men und haben dabei das schöns­te Pan­ora­ma, die besten Eclairs und die köst­lichs­ten Weine des Elsass gefunden.

1. Halt: Obernai

Die erste Etappe führt uns über 25 flott absol­vier­te Auto­bahn­ki­lo­me­ter in die Klein­stadt Ober­nai. Über meh­re­re Kreis­ver­keh­re errei­chen wir das Zen­trum der 12.500 Ein­woh­nen­de fas­sen­den Stadt. Zumin­dest fast, denn wie an jedem Don­ners­tag­vor­mit­tag findet der Wochen­markt statt. Die Gassen im Stadt­kern sind wäh­rend­des­sen für den Ver­kehr gesperrt. Das ver­schärft die ohne­hin schon ange­spann­te Park­si­tua­ti­on. Schluss­end­lich ent­schei­den wir uns für ein über­aus neues, dafür umso enge­res Park­haus am west­li­chen Ende der Innenstadt.

Unsere kleine Exkur­si­on beginnt in der Rue Cha­noi­ne Gyss an der 1872 geweih­ten, katho­li­schen Kirche St. Peter und Paul, die durch ihre präch­ti­ge neu­go­ti­sche Archi­tek­tur besticht. Im stil­len Innen­raum sam­meln wir Ener­gie für das reiz­vol­le Markt­trei­ben. Vorbei an wohl­duf­ten­den Käse- und Wurst­stän­den geht es zum kaum zu erken­nen­den Markt­platz mit dem Beffroi, einem knapp 60 Meter hohen Stadt‑, Wach- und Glo­cken­turm. Wir bum­meln durch die Rue du Marché und bewun­dern die far­ben­fro­hen Fach­werk­häu­ser mit ihren lie­be­voll gestal­te­ten Schaufenstern.

Uns lachen ins­be­son­de­re die voll­mun­di­gen Scho­ko­la­den­plätz­chen der Cho­co­la­te­rie Jac­ques Bockel an. Gut dass es bei knapp 30 Grad Cel­si­us Außen­tem­pe­ra­tur die dunkle Scho­ko­la­de auch in Eis­form gibt. Eine will­kom­me­ne Erfri­schung. Etwas spät bemer­ken wir, dass es nur wenige Meter weiter in der Maison Alsa­ci­en­ne de Bis­cui­te­rie den tra­di­tio­nel­len Elsäs­ser Kougel­hopf gibt. Mit der Besich­ti­gung der his­to­ri­schen Stadt­mau­er endet unser Ober­nai-Besuch. Oder genau­er gesagt am Park­schein­au­to­mat: Dort schlägt unser 90-minü­ti­ger Abste­cher mit 3,50 Euro zu Buche.

2. Halt: Kloster St. Odilienberg

Unser nächs­tes Ziel ist das 14 Kilo­me­ter ent­fern­te Klos­ter St. Odi­li­en­berg. Über unzäh­li­ge Ser­pen­ti­nen schrau­ben wir uns bis auf 753 Meter über Mee­res­hö­he empor. Oben ange­kom­men tau­chen wir in die sagen­um­wo­be­ne Geschich­te der hei­li­gen Odilia, Schutz­pa­tro­nin des Elsass ein. Sie wurde um 660 als Toch­ter des elsäs­si­schen Her­zogs Eticho gebo­ren. Der Über­lie­fe­rung nach kam sie blind zur Welt und sollte des­halb ster­ben. Ihre Mutter ret­te­te sie jedoch und mit ihrer Taufe im Alter von 12 Jahren erhielt sie ihr Augen­licht zurück.

Dar­auf­hin ließ ihr Vater um 690 das Klos­ter Hohen­berg auf den Resten einer frühen Burg des Adels­ge­schlechts errich­ten. Odilia wurde Äbtis­sin des neuen Klos­ters. Sie half der Legen­de nach einem blin­den, durs­ti­gen Bett­ler, indem sie unter­halb des Klos­ters gegen den Stein schlug und so eine hei­len­de Quelle ent­sprang. Noch heute gilt Odilia als Patro­nin der Augen­kran­ken. Das Klos­ter­ge­bäu­de ist des­halb ein belieb­ter Wall­fahrts­ort. Im Inne­ren beher­bergt es noch heute das Grab der Heiligen.

Nicht weni­ger impo­sant als die bewe­gen­de Geschich­te des Monas­te­ri­ums ist der weite Blick über die Ober­rhein­ebe­ne auf die die Voge­sen und den Schwarz­wald. Umso mehr über­rascht uns, dass der kos­ten­los zugäng­li­che Ort alles andere als über­lau­fen ist. Dadurch können wir die außer­ge­wöhn­li­che Atmo­sphä­re des präch­ti­gen Klos­ter­gar­tens ganz in Ruhe auf uns wirken lassen. Geer­det nehmen wir die nächs­ten Kilo­me­ter unter die Räder.

3. Halt: Barr

Nach einem gründ­li­chen Brem­sen­test hinab ins Tal errei­chen wir das ver­träum­te Ört­chen Barr. Es gilt als die Wein­haupt­stadt des Dépar­te­ments Bas-Rhin. Bereits im 16. Jahr­hun­dert wohn­ten hier 600 Winzer:innen. Heute ist von ihnen wenig zu sehen. Die schma­len Gassen sind ver­waist. Fernab des tou­ris­ti­schen Tru­bels ist es eine Wohl­tat durch ein so pit­to­res­kes 7.000-Seelen-Dorf zu schlen­dern. Es dauert aller­dings nur wenige Schrit­te bis ein unschein­ba­res Café unsere Auf­merk­sam­keit erregt. Im Innen­hof des Chez Mamema stär­ken wir uns bei einem lecke­ren Stück Quet­schen-Kuchen, einer zucker­be­pu­der­ten Waffel und zwei himm­li­schen Tassen Kaffee.

Mit neuer Ener­gie fla­nie­ren wir die Rue Mar­cheaux hinauf zum dicht bebau­ten Markt­platz. Das rote Rat­haus fügt sich male­risch in die Sze­ne­rie ein. Wir ver­wei­len etwas am leise plät­schern­den Dorf­brun­nen. Auf dem Weg zurück zum Auto pas­sie­ren wir nicht nur das Bäch­lein Kirneck, son­dern auch etli­che Zimt­ap­fel-Bäume, die einen süß­li­chen Duft ver­sprü­hen. Durch ein Laby­rinth von Ein­bahn­stra­ßen ver­las­sen wir die wohl idyl­lischs­te Ent­de­ckung dieser Rundfahrt.

4. Halt: Andlau und die Elsässer Weinstraße

Wir folgen den Kurven der Elsäs­ser Wein­stra­ße bis ins vier Kilo­me­ter ent­fern­te Andlau. An der Kirche St. Peter und Paul findet unser Auto einen kos­ten­lo­sen Platz. Von hier aus erkun­den wir das Zen­trum und finden mit der Bou­lan­ge­rie Rietsch zufäl­lig die Bäcke­rei mit den besten Eclairs unse­rer Elsass-Reise. Spä­tes­tens beim Blick auf die von Reb­zei­len über­zo­ge­nen Hügel wird deut­lich, dass wir tief in das elsäs­si­sche Wein­bau­ge­biet vor­ge­drun­gen sind. Und so ent­schei­den wir uns den Tag mit einer Fahrt über die Wein­stra­ße aus­klin­gen zu lassen.

Die brau­nen Weg­wei­ser führen uns durch herr­lich klin­gen­de Orte wie Itters­wil­ler, Bli­en­schwil­ler oder Not­hal­ten. Selbst ohne tech­ni­sche Pro­ble­me am Fahr­zeug sind die klei­nen Buch­ten am Stra­ßen­rand eine will­kom­me­ne Gele­gen­heit für einen spon­ta­nen Zwi­schen­stopp. Um die Aus­sicht zu genie­ßen, eine kleine Runde Spa­zie­ren zu gehen oder nach dem besten Wein­gut zu recher­chie­ren. Unsere Wahl fällt auf den Fami­li­en­be­trieb Domaine Sohler, der wochen­tags von 13.30 Uhr bis 18 Uhr einen Ver­kauf anbietet.

Das Areal rund um den Münch­berg ist durch dessen Süd­aus­rich­tung und den 250 Mil­lio­nen Jahre alten Vul­kan­stein­bo­den beson­ders für seinen voll­mun­di­gen Wein bekannt. Wohin­ge­gen der süd­lich gele­ge­ne Hei­sen­berg durch den kie­sel­hal­ti­gen Unter­grund aus psam­mit­ar­ti­gem Sand­stein eine her­vor­ra­gen­de Drai­na­ge­fä­hig­keit bietet. Das Ergeb­nis sind kris­tall­kla­re, straf­fe und mine­ra­li­sche Elsäs­ser Weiß­wei­ne. Auf der Heim­fahrt über das male­ri­sche Dam­bach-la-Ville nach Straß­burg genie­ßen wir die letz­ten Son­nen­strah­len des Tages. Eines Tages, der all die reiz­vol­len Facet­ten des Elsass abbildete.


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