Manchmal sind es die spontanen, simplen Wochenendausflüge, die uns entspannen lassen und lange im Gedächtnis bleiben. Zwei Zeltnächte am Gräbendorfer See im brandenburgischen Casel mauserten sich zu einem Naturerlebnis der besonderen Art. Einige Eindrücke eines erdenden Wochenendes.
Vom Energieabbau zum Energieaufbau im Lausitzer Seenland
Langsam erholt sich die Natur im Lausitzer Tagebaugebiet. Dort wo noch vor Jahrzehnten überdimensionale Abraumbagger die Braunkohle aus der Erde hievten, laden nun malerische Seen zum Erholen ein. Orte der Gewinnung fossiler Energieträger wurden zu Regionen der Regeneration von mentaler und körperlicher Energie. Eine dieser Oasen ist der Gräbendorfer See an Stelle des gleichnamigen Dorfes, das 1989 der Kohleförderung weichen musste. Von 1996 bis 2007 mit 92 Milliarden Liter Wasser geflutet, ist er der erste künstlich angelegte See in der Lausitz. Eine mehr als 450 Hektar große Wasserfläche lädt nunmehr zum Erholen ein.
Das Ufer ist gespickt von kleinen Badestellen, die durch ihre Abgeschiedenheit glänzen. Deutlich stärker frequentiert sind Campingplätze wie das neu errichtete Camp Casel. Am südlichen Ende des Gräbendorfer Sees gelegen, verbindet es eine ursprüngliche Naturbegegnung mit dem Komfort der Zivilisation. Als wir Freitagabend das Areal erreichen, begrüßt uns nicht nur ein freundliches Team. Leistungsfähige Stromanschlüsse, moderne Toiletten und saubere Waschräume vereinfachen mein erstes Zeltabenteuer seit mehr als 10 Jahren ungemein. Nur mit einem Zelt ausgestattet, erhalten wir einen der seltenen Plätze mit Blick auf den See.
Unter kritischen Blicken beginnen wir mit dem Aufbau unseres neuen Zeltes. Doch der gesellschaftliche Druck bringt uns an diesem Abend nicht aus der Ruhe. Nach einer Viertelstunde ist das Robens Lago Flex 4 errichtet. Eher sind es unsere knurrenden Mägen, die sich während des manuellen Aufpumpens unserer Luftmatratzen melden. Etwas genervt landen stilecht die Thüringer Rostbratwürste in der Pfanne. Doch all der Grimm ist verflogen, als wir bequem im Campingstuhl sitzend die ersten Bissen mit Kartoffelsalat zu uns nehmen. Glückselig genießen wir die stille Zeit unter freiem Himmel.

Abendliche Idylle in der brandenburgischen Provinz
Pünktlich zur goldenen Stunde sind Würstchen und Salat vertilgt und der Abwasch erledigt. Es sind nur wenige Schritte hinunter zum Ufer des Gräbendorfer See. Fast schon kitschig senkt sich die Sonne über den schwimmenden Ferienhäusern auf der gegenüberliegenden Seite nieder. Heitere Ferienkinder toben im Wasser. Einige Menschen genießen die abendliche Stille auf dem Stand-up Paddleboard. Als die Sonne am Horizont verschwindet schickt sie über die angestrahlten Wolken einen letzten Gruß.
Mit diesen beruhigenden Bildern im Gedächtnis schlendern wir zurück zum Zelt. Es dauert nicht lang und wir sinken, müde von der Arbeitswoche, hinein in unsere Schlafsäcke. Grillen zirpen. Von der renaturierten Vogelschutzinsel tönen Steppen‑, Herings- und Sturmmöwe im mehrstimmigen Chor. Von den benachbarten Stellplätzen schallen Fußballfloskeln durch das Zelt. Länger als üblich dauert es bis wir ins Land der Träume abtauchen.
Von morgendlicher Zeltromantik und mittäglicher SUP-Action
Mit den ersten Sonnenstrahlen, die uns durch die Zeltwand an der Nase kitzeln, erwachen wir sanft. Auf dem Weg zur Morgentoilette zeugen sägende Schnarchklänge aus nahegelegenen Dachzelten von erholsamen Schlafphasen. Begegnungen mit anderen Campenden münden in einem flüsternden: „Guten Morgen!“. Der ist spätestens dann Realität, wenn der frisch gebrühte Kaffee seinen vollmundigen Duft über den Stellplatz verbreitet. Währenddessen köchelt in der Pfanne Rührei von glücklichen Hühnern des Camp-Eigentümers. Zum Abschluss versüßt ein köstliches Marmeladenbrot den entspannten Start in den Tag.
Unter dem Blätterdach der Birken genießen wir einen entschleunigten Samstagvormittag mit einem Buch und der ein oder anderen Runde Kniffel. Als die Sonne ihren Zenit erreicht und das Thermometer 26 Grad Celsius anzeigt, entscheiden wir uns für eine erfrischende Erkundungstour auf dem Gräbendorfer See per Stand-up Paddleboard. Lediglich 7 Euro pro Stunde oder 20 Euro pro Tag kostet die Leihe im Camp. Unter neugierigen Blicken lassen wir die prallen Boards zu Wasser. Doch die Blamage bleibt aus: Erst im Sitzen und dann auch im Stehen finden wir die Balance am flachen Ufer auf Anhieb.
Mit jedem Paddelschlag wächst die Sicherheit. Die ist auch bitter nötig, als der Wind spürbar auffrischt und aus dem glatten Wasser eine stürmische See werden lässt. Wellen schlagen gegen den Bug des Boards als würden wir schnurstracks in die wilde Nordsee fahren. Doch das Gleichgewicht verlieren wir nicht. Im Gegenteil: Durch die erschwerten Bedingungen verbessert sich unser Körpergefühl. Deutlich angenehmer ist an diesem Nachmittag die Fahrt entlang des hohen Schilfs am Seeufer. Nach zwei Stunden ausgedehnter SUP-Action freuen wir uns wieder festen Boden unter die Füße zu nehmen.
Ausgefallene Burgerfreuden im Blockhouse Casel
Sport und Spaß unter der Sonne macht bekanntlich hungrig. Gut, dass im Camp Casel ein rustikales Blockhouse zum Schlemmen einlädt. Auf der Speisekarte stehen neben vielfältigen Fleisch- und Fischgerichten auch Steinofenpizzen und Burger. Mein Interesse weckt der nicht alltägliche Hirschburger mit Bergkäse, Salat, Schwarzwälder Schinken und Preiselbeeren. Gesehen, bestellt. Schon der erste Biss lässt meine Geschmacksknospen jubeln. Genau das Richtige nach einem Tag an der frischen Luft.
Als sich der Tag langsam dem Ende neigt, verlassen wir das Camp und spazieren durch den kleinen Ort Casel. Von den etwas mehr als 300 Einwohnenden ist wenig zu sehen. Trotzdem trifft uns der ein oder andere skeptische Blick. Stille dominiert die Dorfidylle. Pittoresk wirft die altehrwürdige Dorfkirche ihren Schatten auf die saftige Wiese. Nur wenige Hundert Meter weiter strahlen die verblühten Rapsfelder golden im Abendlicht. Unter einer Linde lassen wir das Camping-Wochenende Revue passieren.
Uns wird klar, dass es an einem freien Wochenende kein ausgefallenes Ziel braucht, um neue Energie zu tanken. Ein minimalistisches Mikroabenteuer in der Natur, auf das Wesentliche reduziert, schärft den Blick für unser komfortables Leben.
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