Zum Inhalt springen

Über Stock und Stein auf dem Rotweinwanderweg zwischen Dernau und Altenahr.

Fünf Jahre ist es her, dass ver­hee­ren­de Regen­fäl­le den klei­nen Fluss Ahr zwi­schen Nord­rhein-West­fa­len und Rhein­land-Pfalz in einen rei­ßen­den Strom ver­wan­del­ten. 135 Men­schen ver­lo­ren bei dem Hoch­was­ser ihr Leben. 500 Gebäu­de wurden im Ahrtal mit­ge­ris­sen oder zer­stört. Heute erstrahlt die Wein­bau­re­gi­on groß­flä­chig in neuem Glanz. Grund genug sich von der Schön­heit des Rot­wein­wan­der­wegs begeis­tern zu lassen. Einige Ein­drü­cke einer Genuss­wan­de­rung zwi­schen Dernau und Altenahr.

Himmlischer Hang zur guten Aussicht

Ein kos­ten­frei­er Wan­der­park­platz an der kur­vi­gen K35 mar­kiert den Beginn der 10 Kilo­me­ter langen Etappe des Rot­wein­wan­der­we­ges. Hoch oben über dem Ört­chen Dernau gele­gen, erspart er den müh­sa­men Auf­stieg hinauf in den Wein­berg. Schon nach weni­gen Metern zeigt sich das Ahrtal von seiner roman­ti­schen Seite. Reb­zei­le um Reb­zei­le bestim­men die Sze­ne­rie. Am Fuße, zwi­schen Hängen ein­ge­schlos­sen, liegt ver­träumt das 1.500-Seelen-Dorf.

Unschein­bar schlän­gelt sich die Ahr durch das Zen­trum. Und doch lassen sich die Spuren der größ­ten Natur­ka­ta­stro­phe Deutsch­lands erken­nen. Zwar blit­zen fünf Jahre nach dem Unwet­ter reno­vier­te und neu errich­te­te Häuser hervor. Doch ein­zel­ne beschä­dig­te Ruinen zeugen von der gewal­ti­gen Kraft des Was­sers. Einer Kraft, die Hun­der­te Häuser mit­riss, mil­li­ar­den­schwe­re Schä­den hin­ter­ließ und schluss­end­lich Men­schen aus ihrer Heimat zu ver­trieb. Nach­denk­lich pas­sie­ren wir den St. Joseph Bild­stock, wäh­rend Wein­bau­ern ihrer Arbeit nachgehen.

Am Weg­rand streckt sich nicht nur Rup­rechts­kraut empor. Auch flinke Mau­er­eidech­sen nutzen die warmen Son­nen­strah­len, um neue Ener­gie zu tanken. Par­al­lel zum Tal führt die Route bis zur ersten Zwi­schen­sta­ti­on, dem Ort Rech. Regio­na­le Weine gibt es hier, ähn­lich wie an der Mosel, aus dem Wein­au­to­mat. Aller­dings lohnt sich der kurze Umweg hinab zum Wein­gut O. Schell. Beson­ders voll­mun­dig und fein struk­tu­riert fanden wir Ries­ling und Spät­bur­gun­der. Kein Wunder, denn das Ter­ro­ir aus ver­wit­ter­tem Schie­fer, Löß­lehm, Kies, Vul­kan­ge­stein und Grau­wa­cke sorgt für gleich­mä­ßi­ge warme Bedin­gun­gen. Mit etwas schwe­re­ren Beinen kehren wir zurück auf den Rotweinwanderweg.

Über breite und schmale Pfade nach Mayschoß

Als wir Rech hinter uns lassen, wan­delt sich die breite Wirt­schafts­stra­ße in einen schma­len Pfad. Im Gän­se­marsch pas­sie­ren wir das immer enger wer­den­de Tal. Wäh­rend die Regio­nal­bah­nen seit Dezem­ber 2025 wieder von Tunnel zu Tunnel spur­ten, müssen Autos zwi­schen Rech und Alte­n­ahr weite Umwege in Kauf nehmen. In diesem Abschnitt hat die Ahr über Jahr­tau­sen­de tiefe Fur­chen in die Land­schaft getrie­ben. Schrof­fe Schie­fer­fel­sen lassen das Gebiet noch male­ri­scher wirken. Von den atem­be­rau­ben­den Aus­sichts­punk­ten eröff­net sich ein herr­li­cher Blick auf die son­nen­be­schie­ne­nen Steillagen.

Es dauert nicht lang und das kleine Ört­chen May­schoß ist erreicht. Pit­to­resk fügt sich das urige Dorf um die prä­gnan­te St. Niko­laus und Rochus Kirche in die Land­schaft ein. Auf einem klei­nen Pla­teau thront die mit­tel­al­ter­li­che Saf­fen­burg. Erst­mals 1081 erwähnt, zählt sie als ältes­te Befes­ti­gung des Ahrta­les. Hinter einer lang­ge­zo­ge­nen Rechts­kur­ve lugt der idyl­li­sche St. Michae­lis­hof hervor. Aber so ver­lo­ckend die Son­nen­ter­ras­se auch für eine Pause wäre, die her­an­zie­hen­den Regen­wol­ken schi­cken uns auf den letz­ten Tages­ab­schnitt des Rotweinwanderwegs.

Durch Wald und Flur nach Altenahr

Nach abwechs­lungs­rei­chen Wein­berg­seg­men­ten führt die Route abschlie­ßend durch den Alte­n­ah­rer Forst. Efeu­be­wach­se­ne Fich­ten sorgen für ein mär­chen­haf­tes Flair. Und die Glo­cken­blu­men am Weg­rand läuten den Sommer ein. Wer genau hin­schaut, kann den Acker­hum­meln beim Bestäu­ben der Brom­beer­blü­ten bei­woh­nen. Mitt­ler­wei­le beherr­schen dunkle Wolken den Himmel. Des­halb freuen wir uns umso mehr, als die Burg­rui­ne Are und unser Ziel­ort Alte­n­ahr zum Vor­schein kommen.

Vorbei an der schöns­ten Wein­sicht 2012 und dem Weißen Kreuz geht es abwärts ins Tal zum his­to­ri­schen Orts­kern. Etwas ver­schla­fen wirkt die 10.000 Ein­woh­nen­de beher­ber­gen­de Gemein­de. Nicht alle Men­schen sind nach der Flut­ka­ta­stro­phe geblie­ben. Zwi­schen den Neu­bau­ten stehen ver­las­se­ne Hotels und Wohn­ge­bäu­de. Zwar sorgt das für eine eigen­ar­ti­ge Stim­mung. Jedoch ist es für den loka­len Tou­ris­mus wich­tig, dass Men­schen die Region für einen Aus­flug oder Kurz­ur­laub besu­chen. Als wir mit dem Zug zurück nach Dernau fahren, denke ich über diese Situa­ti­on nach und komme zu der Erkennt­nis: So zer­stö­re­risch Natur­ge­wal­ten auch sind, tou­ris­ti­sche Ziele ver­lie­ren dadurch nicht an Attrak­ti­vi­tät. Man muss sich auf die neuen Bege­ben­hei­ten nur ein­stel­len können.


Entdecke mehr von Jonas’ Blog

Melde dich für ein Abon­ne­ment an, um die neu­es­ten Bei­trä­ge per E‑Mail zu erhalten.

Kommentar verfassen