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Auf der ibug mit der Fuji X100V.

Nach dem Mauerfall kam für so manchen industriellen Betrieb in Ostdeutschland das Aus. Alte Technologien und Missmanagement sorgten für die Insolvenz und leerstehende Gebäude. Die “Industriebrachenumgestaltung” (kurz ibug) haucht in Form von jährlichen Festivals alten Geländen neues, künstlerisches Leben ein. Nachdem die Veranstaltung im letzten Jahr stark reglementiert war, zog es die Künstler:innen aus aller Welt ein weiteres Mal nach Flöha in die ehemalige VEB Buntpapierfabrik. Das perfekte Terrain für einen Test der Fuji X100V, die ich nach fünf Monaten Wartezeit nun endlich in den Händen halten kann. Einige Eindrücke.

Buntes Papier in grauem Gebäude

Das Areal in Flöha-Plaue liegt bereits seit über 140 Jahren unscheinbar unweit des Flusses Zschopau. Die “Glacé- und Buntpapierfabrik” konnte eine breite Produktpalette vorweisen: Ob Gold- und Silberpapiere oder Holzmaser- und Lederpapiere wurden vom Unternehmen um den Gründer Robert Wilisch eine Vielzahl von Papierarten hergestellt. Dadurch gewann die Firma über Sachsen hinaus an Bedeutung. Auch während der beiden Weltkriege lief der Betrieb ohne Einschränkungen weiter.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Arthur Wilisch, der die Fabrik bereits 1919 von seinem Vater übernahm, aufgrund seiner politischen Betätigung verhaftet und verurteilt. Im Zuge der DDR-Gründung folgte die Verstaatlichung und Angliederung an die VVB Verpackung Leipzig. Später änderte sich als VVB Zellstoff, Papier und Pappe das Anwendungsgebiet der Produkte zu Schulbedarf, Kartonagen, Werbeartikel, Konservenetiketten und Prägetapeten.

Nach der Wende übernahm die Treuhanden den Betrieb, in dem mittlerweile 187 Menschen beschäftigt waren. Neuer Käufer war die Huchtemeier Papier GmbH Dortmund, durch die der Betrieb nahezu komplett stillgelegt wurde. Zwei ehemalige Angestellte fassten sich 2006 ein Herz und gründeten die “Papierverarbeitung Flöha GbR”. Der Fokus lag auf dem Zuschnitt von weißem Rollen Papier auf kundenspezifische Formate. Noch heute sind die Reste in den Gebäuden sichtbar. 2019 erfolgte die Übernahme des ehemaligen Industriestandortes durch die Stadtverwaltung Flöha.

Von Graffiti über Installationen bis Skulpturen ist auf der ibug alles dabei

Auch Papier spielt auf der diesjährigen ibug eine wichtige Rolle. Aber nicht nur das. Die rund 75 Künstler:innen, Duos und Kollektive gestalteten in den vergangenen Wochen beeindruckende Graffiti und Skulpturen. Neben den zahlreichen Gesellschafts- und Zeitkritiken lassen sich auch fantasievolle Wesen bestaunen. Oft wurden vorhandene Requisiten sowie räumliche Gegebenheiten genutzt und um kreative Ideen ergänzt. Das sorgte nicht nur bei mir für Wow-Effekte.

In diesem Jahr hat das ibug-Festival durch so manche internationale Gäste weltweite Strahlkraft: Die Herkunftsländer reichen von Schweden bis Italien, von Israel bis Protugal, von Russland bis Brasilien, natürlich von der Ukraine, aber auch bis in die USA und nach Puerto Rico. Auch am kommenden Wochenende (2. bis 4. September) kann man die Atmosphäre genießen und sich von den Kunstwerken inspirieren lassen. Das Tagesticket ist mit 10 Euro durchaus fair bepreist. Zumal auf dem Festivalgelände Musiker:innen und DJs für eine angenehme Stimmung sorgen. Streetfood-Fans kommen an den zahlreichen Imbissständen auf ihre Kosten.

2 Kommentare

  1. Jan Jan

    Gut, von der Kunst kann man halten, was man will. Das Gute daran ist aber, daß die Gebäude nicht abgerissen wurden und seelenlosen Neubauten weichen mußten („Hier entstehen für Sie 25 Luxusappartments“).
    Ein Wort unter uns: muß das Gendern unbedingt sein? Bisher ging es ja doch auch so ganz gut. Was kommt denn dann als nächstes für ein „woke“ Errungenschaft: Klima, FFF, BLM oder „Blog gegen rechts“. Laß das Buckeln gegenüber der neuesten Mode!

    • Markus toni elektro opie Markus toni elektro opie

      In einem freien Land darf jeder schreiben wie er will,
      Darf gendern oder auch nicht.
      Ich beobachte, das Menschen die gendern öfter darauf angesprochen werden als Menschen die es nicht tun.
      Meine persönliche Schlussfolgerung wäre das die die gendern dementsprechend toleranter sind,
      Aber in einem freien Land darf jeder Schlussfolgern was er möchte:)

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