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Ein sommerlicher Tag im liebreizenden Luxemburg.

In Europa und der Welt gibt es so einige ein­zig­ar­ti­ge Länder. Eine beson­de­re Stel­lung nimmt jedoch das west­lich an Deutsch­land gren­zen­de Luxem­burg ein. Es ist das ein­zi­ge Groß­her­zog­tum der Erde und wartet mit seiner beson­de­ren Geschich­te auf. Doch nicht nur das. Einige Ein­drü­cke einer Erkun­dungs­tour durch die gleich­na­mi­ge Hauptstadt.

Süße Überraschungen zum Frühstück

Es ist kurz vor 8 Uhr in einem klei­nen Apart­ment in der Rue Pierre Krier nur wenige hun­dert Meter süd­lich des Haupt­bahn­hofs der Stadt Luxem­burg. Die Som­mer­son­ne schickt ihre Strah­len nicht nur durch die klei­nen Fens­ter der Dach­ge­schoss­woh­nung. Auch die große Ter­ras­se ist hell beschie­nen. Der per­fek­te Ort, um den Tag mit eini­gen luxem­bur­gi­schen Spe­zia­li­tä­ten zu beginnen.

Auf dem Teller findet sich unter ande­rem eine herz­haft geschmacks­in­ten­si­ve Ries­lings­pasch­té­it, einem viel­schich­ti­gen Blät­ter­teig mit kaltem Rinder- oder Schwei­ne­fleisch. Auch eine Schei­be des locker luf­ti­gen Brotes mit Kach­ké­is und hoch­wer­ti­gem Schin­ken ist eine Emp­feh­lung wert.

Der Ein­fluss der angren­zen­den Länder Frank­reich und Bel­gi­en lässt sich beim Blick auf die süßen Köst­lich­kei­ten erken­nen. Ob zart­schmel­zen­des Éclair oder knusp­ri­ges Pain au Cho­co­la­te: Als Fan des Kakao­er­zeug­nis­ses komme ich voll auf meine Kosten. Damit ist die Grund­la­ge für einen akti­ven und erleb­nis­rei­chen Tag gelegt.

Auf Entdeckungstour durch die historische Altstadt

Mit dem kos­ten­frei­en Elek­tro­bus der Linie 2 geht es laut­los hin­über in die Alt­stadt Luxem­burgs. Am Ende der Häu­ser­schluch­ten, über die Brücke Pas­se­rel­le hinweg, bietet sich die Hal­te­stel­le F. D. Roo­se­velt für einen aus­ge­dehn­ten Spa­zier­gang durch die Ville-Haute an. Am Berg trohnt die im 17. Jahr­hun­dert erbau­te Notre Dame Kathe­dra­le. Sie ver­eint auf ein­drucks­vol­le Weise die Ele­ganz der Gotik, die Opu­lenz des Barock und die Klar­heit der Renaissance.

Nur wenige Meter weiter befin­det sich der Place Guil­laume II. Der nach König Wil­helm II benann­te Markt­platz berei­chert bereits seit dem 13. Jahr­hun­dert die Stadt. Zu seinen Ehren wurde im Jahr 1884 eine große Reiter-Statue errich­tet. Neben zahl­rei­chen Geschäf­ten grenzt auch das Rat­haus an diesem Markt­platz. Zwei über­gro­ße Löwen bewa­chen das Hôtel de Ville.

Durch die klei­nen Gassen mit ihrem unver­wech­sel­ba­ren Charme führt der Weg vorbei am Grouss­her­zogle­che Palais bis zur Schlass­bréck. Hier eröff­net sich ein wun­der­vol­ler Blick auf den unte­ren Teil der Stadt mit dem Kul­tur­zen­trum Nei­mens­ter. Nicht ohne Grund sind die Ruinen der Fes­tung Teil des UNESCO-Welterbe.

Eine willkommene Erfrischung in den Kasematten

Mitt­ler­wei­le zeigt das Ther­mo­me­ter mehr als 30 Grad Cel­si­us an. Die Sonne erreicht ihren Höchst­stand. Zeit für eine Erfri­schung. Dafür bietet sich ein Besuch der nur wenige Meter ent­fern­ten Bock-Kase­mat­ten an. Dabei han­delt es sich um die gut erhal­te­nen, unter­ir­di­schen Ver­tei­di­gungs­gän­ge inner­halb der Fes­tungs­an­la­ge. Mit 10 Euro ist das Ein­tritts­ti­cket fair bepreist. Was folgt, ist ein großes unter­ir­di­sches Laby­rinth. Ein Spiel aus Licht und Schat­ten, aus end­lo­sen Gängen, mas­si­ven Gewöl­ben und schma­len Schieß­schar­ten mit Blick auf die Außenwelt.

Ins­ge­samt 17 der 23 Kilo­me­ter langen Kase­mat­ten lassen sich noch heute erkun­den. In eini­gen der stei­ner­nen Kam­mern aus dem 17. Jahr­hun­dert sorgen Kano­nen für ein his­to­ri­sches Flair. Kaum zu glau­ben, dass neben den 50 Geschüt­zen rund 1.200 Sol­da­ten Platz in den Höhlen gefun­den haben sollen. Enge Wen­del­trep­pen führen immer tiefer in die kühle Unter­welt. Mit der zuneh­men­den Tiefe schwin­det der Platz. Gut, dass ich nicht unter Klaus­tro­pho­bie leide. Dafür ist die Freude umso größer nach der rund 45-minü­ti­gen Erkun­dungs­tour das glei­sen­de Tages­licht und die Weite der Ober­welt zu erreichen.

Mit dem Petrusse Express zur Festung und durch die Unterstadt

Nur wenige Schrit­te vom Aus­gang der Bock-Kase­mat­ten ent­fernt, star­tet mit dem Petrus­se Express eine kleine Bim­mel­bahn zu ihrer Rund­fahrt. Im Ticket­preis von 14,50 Euro ist nicht nur die 40-minü­ti­ge Fahrt ent­hal­ten. Über kleine In-Ear-Kopf­hö­rer gibt es aller­hand Wis­sens­wer­tes zur bewe­gen­den Geschich­te des Groß­her­zog­tum Luxem­burg auf die Ohren. Etwa über die zahl­rei­chen Kämpfe und Beset­zun­gen: Nach­dem Spa­ni­en (16./17. Jahr­hun­dert) und Frank­reich (17./18. Jahr­hun­dert) das Gebiet für sich bean­spruch­ten, folg­ten Beset­zun­gen von Öster­reich (18. Jahr­hun­dert) und Preu­ßen (19. Jahrhundert).

Die Fahrt führt zur Fes­tung durch das heu­ti­ge Alten­heim und lie­fert atem­be­rau­ben­de Aus­bli­cke und span­nen­de Per­spek­ti­ven auf einige Sehens­wür­dig­kei­ten. Etwa dem Jakobsturm oder der Abtei Neu­müns­ter. Durch das Aus­geh­vier­tel Grund, wel­ches später am Tag noch einmal eine Rolle spie­len wird, führt die Route durch das Schloss­tor hin­durch zum Stadt­teil Pfaf­fen­thal mit seinem iko­ni­schen Pan­ora­ma-Aufzug. Aber auch dazu später mehr. Kurz vor Ende der Fahrt öffnet sich der Blick hin­über auf das Fort Thün­gen, das auf­grund seiner Bau­wei­se auf luxem­bur­gisch Dräi Eechelen (also „Drei Eicheln“) genannt wird. Pünkt­lich errei­chen wir die Endhaltestelle.

Neue Energie fürs Bummeln aus dem Café Oberweis

Nach Stun­den voller Erleb­nis­se ist nun der Moment gekom­men, einmal tief durch­zu­at­men. In der Alt­stadt hält dazu das kli­ma­ti­sier­te Café Ober­weis ein reich­hal­ti­ges Ange­bot an lan­des­ty­pi­schem Gebäck bereit. Die Wahl fällt an diesem Tag auf eine pikan­te Quiche Lor­raine sowie ein buntes Obst-Tar­te­let­te und ein luf­ti­ges Mokka-Éclair. Gutt geschmaacht!

Zeit einmal durch die lang­ge­zo­ge­nen Gassen und noblen Geschäf­te zu schlen­dern. Luxem­burgs Innen­stadt gleicht einem Schau­fens­ter der Luxus­welt: Wer etwas auf sich hält, hat hier sein eige­nes Geschäft – von feiner Klei­dung bis hin zu edlen Uhren. In den Schau­fens­tern immer mit dabei: Die her­zög­li­che Fami­lie. Schön, dass die Laden­zei­len auch archi­tek­to­nisch eini­ges zu bieten haben. Über den Köpfen flie­gen über­di­men­sio­na­le Schmet­ter­lin­ge hinweg.

Nach einem kurzen Abste­cher in das Ban­ken­vier­tel endet der Spa­zier­gang auf dem Place de la Con­sti­tu­ti­on. Am Denk­mal für die Opfer des Zwei­ten Welt­kriegs “Gëlle Fra” lädt ein atem­be­rau­ben­der Aus­blick auf die Adol­phe-Brücke und das Pla­teau Bour­bon zum Ver­wei­len ein. Sogar die ankom­men­den Flug­zeu­ge lassen sich von diesem Punkt aus wun­der­bar verfolgen.

Zum Tagesabschluss durch das Ausgehviertel Grund

Luxem­burg besitzt eine Reihe von gut­bür­ger­li­chen Restau­rants. Eines davon ist „D‘Gelle Klack“ (zu deutsch: Die Gol­de­ne Glocke) in der Rue Sige­froi. Hier lassen sich sowohl im geschmack­vol­len Innen­raum als auch auf der son­nen­durch­flu­te­ten Ter­ras­se die herz­haf­ten Spe­zia­li­tä­ten des Landes genie­ßen. Als Vor­spei­se kann ich den Fei­ers­tengs­za­lot emp­feh­len. Dabei han­delt es sich um einen def­ti­gen Rind­fleisch­sa­lat mit Ei. Dank der reich­hal­ti­gen Gewür­ze ist er sehr aro­ma­tisch und säu­er­lich pikant.

Als Haupt­spei­se landet an diesem lauen Som­mer­abend Wäin­zoo­s­sis sauce mou­t­ar­de auf dem Teller. Das tra­di­tio­nel­le Gericht besteht aus wür­zi­gen Brat­würs­ten mit def­ti­gen Brat­kar­tof­feln. Was im ersten Moment nach deut­schem Imbis­sessen klingt, ist in der luxem­bur­gi­schen Küche deut­lich edler aus­ge­führt. Der Geschmack ist dank der Weiß­wein­so­ße, Senf und Sahne spür­bar viel­fäl­ti­ger und damit aromatischer.

Zum Tages­aus­klang lohnt sich ein Spa­zier­gang durch das Aus­geh­vier­tel Grund. Ein Aufzug unweit des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums mit seinen iko­ni­schen Metall­va­sen (die übri­gens in Pirna pro­du­ziert wurden) bringt Tourist:innen und Ein­hei­mi­sche in die Unter­stadt. Dort säumen unzäh­li­ge Bars und Knei­pen das male­ri­sche Ufer der Alzet­te. Ein traum­haf­ter Ort, um ein gutes Glas Luxem­bur­ger Mosel­wein oder ein frisch gezapf­tes Bof­fer­ding-Bier zu genießen.

Sonnenuntergang im Pfaffenthal

Lang­sam neigt sich der Tag dem Ende. Ein beson­de­res High­light bei jedem Luxem­burg-Besuch ist die Fahrt mit dem Pan­ora­ma-Aufzug im angren­zen­den Stadt­teil Pfaf­fen­thal. Ein auf­merk­sa­mer Blick in die stil­len Gassen auf dem Weg dahin lohnt sich – oft offen­ba­ren sie ver­bor­ge­ne Details. Der Zugang zum kos­ten­frei­en Lift ist über die Rue du Pont mög­lich. Inner­halb weni­ger Sekun­den ist die Aus­sichts­platt­form der oberen Stadt erreicht.

Ein­ge­rahmt von der roten, ele­gan­ten Groß­her­zo­gin-Char­lot­te-Brücke bietet sich ein präch­ti­ges Pan­ora­ma auf das Kirch­berg-Pla­teau, Heimat bedeu­ten­der EU-Insti­tu­tio­nen. Höhen­angst sollte man beim glä­ser­nen Sky­walk aller­dings nicht haben. Unter den Füßen geht es schließ­lich 71 Meter in die Tiefe. Die lassen nach einem erleb­nis­rei­chen Tag im LUGA, dem Luxem­bourg Urban Garden, hoch­le­gen. Gemüt­li­che Holz­lie­gen in grünen Pavil­lons laden dazu ein, die Seele bau­meln zu lassen und die Ein­drü­cke in Ruhe Revue pas­sie­ren zu lassen. Kurz bevor der emis­si­ons­freie Elek­tro­bus gegen 23 Uhr wieder zum warmen Apart­ment fährt.


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3 Kommentare

    • Vielen Dank für das rüh­ren­de Kom­pli­ment und die Ver­lin­kung! Alles Gute und wir lesen uns.

  1. […] Die Stun­den ver­flie­gen und schnell errei­chen wir das Rhein­tal. Mit jedem Kilo­me­ter ver­ste­hen wir mehr, warum es zu den schöns­ten Zug­stre­cken Deutsch­lands zählt. Die Augen schwei­fen über hohe Felsen, Back­stein­dör­fer und große Fluss­schif­fe. Ziel der Fahrt ist Koblenz. Dank der Auf­zü­ge gelan­gen wir dort ohne große Kraft­an­stren­gun­gen zum nächs­ten Gleis. Doch wir sind deut­lich lang­sa­mer als die zu Fuß Gehen­den. Pünkt­lich errei­chen wir den Luxem­bur­ger Zug. Mit etwas Kraft­ein­satz können wir die Räder in den (nicht bar­rie­re­frei­en) Zug hieven. Für die Anstren­gun­gen ent­schä­digt die ansons­ten stress­freie Fahrt durch das Mos­el­tal. Cam­ping­plät­ze flan­kie­ren die Stre­cke. Dank eini­ger Tunnel durch die mäch­ti­gen Mosel­schlei­fen errei­chen wir nach zwei Stun­den Luxemburg. […]

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