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Tamron 50–400mm F/4.5–6.3 im Test: Günstiges Tele-Objektiv für unterwegs.

So viel­fäl­tig wie meine fan­tas­ti­schen Foto-Motive sind auch die dafür benö­tig­ten Objek­ti­ve. Wäh­rend ich im ver­gan­ge­nen Jahr oft­mals auf die Repor­ta­ge-Brenn­wei­te 24–120 mm zurück griff, erwei­ter­te unlängst das wuch­ti­ge Tamron 50–400mm mein Kamera-Equip­ment um ein viel­sei­ti­ges Tele­ob­jek­tiv. Doch wie schlägt sich das preis­wer­te Pro­dukt des japa­ni­schen Dritt­her­stel­lers an meiner Nikon Z6 III? Ich habe das Voll­for­mat­ob­jek­tiv in ver­schie­de­nen Ein­satz­ge­bie­ten getestet.

Groß und schwer, aber doch transportabel

Wohl kein ande­rer Bestand­teil der Foto­aus­rüs­tung ver­kör­pert die Liebe zur Foto­gra­fie so sehr wie ein Tele­ob­jek­tiv. Zwar sind die stark ver­grö­ßer­ten Auf­nah­men von Lebe­we­sen, Pflan­zen oder Gegen­stän­den über­aus beein­dru­ckend. Jedoch ist es durch seine hohe Masse alles andere als ein leich­ter All­tags­be­glei­ter. Wohl auch des­halb habe ich lange nach dem besten Gesamt­pa­ket zwi­schen Brenn­wei­te, Gewicht und Preis recher­chiert. Die Wahl fiel schluss­end­lich auf das Tamron 50–400mm F/4.5–6.3.

Beim ersten Aus­pa­cken wirkt es mit 1,2 Kilo­gramm durch­aus schwer. Doch ein Blick in die Daten­blät­ter der Alter­na­tiv­pro­duk­te zeigt, dass es zu den leich­tes­ten Voll­for­mat-Tele­ob­jek­ti­ven seiner Art zählt. Ferner ist es für seinen Brenn­wei­ten­be­reich über­aus kom­pakt: Der Durch­mes­ser beträgt 89 Mil­li­me­ter und die Länge im ein­ge­fah­re­nen Zustand 183 Mil­li­me­ter. An meiner leich­ten Nikon Z6 III ist das Tamron Tele­zoom trotz­dem ein echter “Brum­mer”.

Wäh­rend die Kom­bi­na­ti­on der Sys­tem­ka­me­ra mit dem Nikkor 24–120mm F/4 eine gran­dio­se Balan­ce bietet, kippt der Appa­rat mit dem brenn­wei­ten­star­ken Objek­tiv in der Hand gern mal nach vorn. Eine Sta­tiv­schel­le würde etwas Abhil­fe schaf­fen, schlägt aller­dings mit 100 Euro zu Buche. (Alter­na­tiv lässt sich das Zube­hör auch 3D dru­cken.) In den ver­gan­ge­nen Wochen über­leg­te ich mir stets zwei Mal, welche Lin­sen­kom­bi­na­ti­on Teil der mobi­len Aus­rüs­tung wurde.

Hochwertige Verarbeitung und konfigurierbare Buttons gefallen

Diese Qual der Wahl macht die gute Haptik des Metall­ge­häu­ses nicht leich­ter. Denn in Mate­ri­al­aus­wahl und Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät braucht sich Tamron nicht vor den Ori­gi­nal­aus­rüs­tern zu ver­ste­cken. Einzig der Bajo­nett­ver­schluss könnte fester sitzen. Das Objek­tiv lässt sich näm­lich an der Kamera um wenige Grad ver­dre­hen. Aber nur wenn man es wirk­lich darauf anlegt. In Griff­nä­he sind neben Zoom- und Fokus­ring eine Fokus­sier­tas­te sowie ein AF/MF-Schal­ter zur Deak­ti­vie­rung des Auto­fo­kus. Dar­über hinaus lässt sich ein per­so­na­li­sier­ba­rer Schal­ter indi­vi­du­ell mit Funk­tio­nen belegen.

Neben Blen­den- und Brenn­wei­ten­ring besitzt das Tamron 50–400 F/4.5–6.3 einen Schie­be­schal­ter für indi­vi­du­el­le Belegungen.

Hier­für lie­fert Tamron sowohl einen Win­dows- sowie Mac-Trei­ber als auch eine Smart­phone-App an. Für letz­te­re braucht es aller­dings einen spe­zi­el­len Blue­tooth-Adap­ter. Kos­ten­punkt: 59 Euro. Ein­fa­cher geht’s mit der PC-Soft­ware, die inner­halb weni­ger Minu­ten von der offi­zi­el­len Web­sei­te gela­den und instal­liert ist. Per USB-C-Kabel lässt sich das Objek­tiv in Sekun­den­schnel­le ver­bin­den und kon­fi­gu­rie­ren. Auch Firm­ware-Updates landen so unkom­pli­ziert auf dem Tamron 50–400mm F/4.5–6.3. Ich staun­te nicht schlecht, als mir unlängst Ver­si­on 2 ange­zeigt wurde. Doch dabei han­del­te es sich nur um ein Kom­pa­ti­bi­li­täts-Update für Lens Uti­li­ty 5.0.

Obwohl sich das Objek­tiv um ein Dritt­an­bie­ter­pro­dukt han­delt, kennt es die Befeh­le und Schnitt­stel­len der Nikon Z6 III. Des­halb habe ich die Stel­lun­gen Custom 1 und 2 mit den kame­ra­spe­zi­fi­schen Funk­tio­nen „L‑Fn1“ und „L‑Fn2“ belegt. Für Astro­fo­to­gra­fie und Mond­auf­nah­men habe ich Custom 3 auf „Astro FC‑L (fixiert)“ gestellt. Dann wech­selt der Modus auto­ma­tisch zu manu­el­lem Fokus, der auf unend­lich gestellt wird. Eine tolle Kom­bi­na­ti­on. Auch wenn die Lösung des mul­ti­funk­tio­na­len Schie­be­schal­ters etwas Gewöh­nungs­zeit erfordert.

Per Tamron Lens Uti­li­ty lässt sich nicht nur die Firm­ware aktua­li­sie­ren. Auch Schal­ter und Fokus­ring lassen sich indi­vi­du­ell konfigurieren.

Breites Einsatzgebiet bei überaus guter Bildqualität

Die braucht es auch beim Hand­ling des Tamron 50–400mm F/4.5–6.3 an der Nikon Z6 III. In der freien Natur ist der Ein­satz gar nicht so ein­fach: Motive müssen mit gerin­ger Brenn­wei­te gefun­den und anschlie­ßend adäquat ver­grö­ßert werden. Dabei die wuch­ti­ge Kom­bi­na­ti­on zu beherr­schen erfor­dert etwas Übung. Anfangs war ich beim Ver­fol­gen von schnel­len Vögeln oft zu lang­sam. Doch statt den Ort frus­triert zu ver­las­sen, erfreu­te ich mich an der gran­dio­sen Nah­ein­stell­gren­ze von 25 Zen­ti­me­tern bei 50 mm Brenn­wei­te. Die Früh­blü­her ließen sich aus nächs­ter Nähe mit einem Abbil­dungs­maß­stab von 1:2 beein­dru­ckend in Szene setzen.

Noch impo­san­ter wirken die Motive bei Brenn­wei­ten von über 200 Mil­li­me­tern. Dann ver­rich­tet auch die inte­grier­te Bild­sta­bi­li­sie­rung her­vor­ra­gen­de Arbeit. Ver­schluss­zei­ten von 1/60 Sekun­den bei 400 Mil­li­me­ter (!) Brenn­wei­te sind mög­lich. Regeln wie „Belich­tungs­zeit = 1/Brennweite“ sind zumin­dest bei Land­schaf­ten und Still­le­ben obso­let. Bei kurzen Ver­schluss­zei­ten von 1/1000 Sekun­den, wie etwa bei Sport- und Tier­fo­to­gra­fie, ist selbst bei Tages­licht die voll geöff­ne­te Blende von F/4.5–6.3 not­wen­dig, um eine rausch­för­dern­de Erhö­hung des ISO-Wertes zu ver­mei­den. Die gerin­ge Offen­blen­de und 24 licht­re­du­zie­ren­de Linsen in 18 Grup­pen sorgen bei schlech­ten Licht­be­din­gun­gen zuneh­mend für Arte­fak­te in den Aufnahmen.

Dann hat auch der leise Auto­fo­kus-Motor Pro­ble­me ein schar­fes Foto zu erzeu­gen. In Ver­bin­dung mit der blitz­schnel­len Nikon Z6 III fühlt sich das Tamron 50–400mm F/4.5–6.3 bei hellem Tages­licht am wohls­ten. Dann sitzt auch der Fokus auf ver­schla­fe­nen Tier­au­gen zuver­läs­sig. Selbst schar­fe Mit­zie­her funk­tio­nie­ren dank des Tier-Auto­fo­kus auf Anhieb – flinke, reak­ti­ons­schnel­le Arme vor­aus­ge­setzt. Kniff­lig wird es, wenn sich mit wach­sen­der Brenn­wei­te der Schwer­punkt der Kamera-Kombo ändert. Aber wie so oft im Leben gilt: Übung macht den Meister.

Fazit Tamron 50–400mm F/4.5–6.3: Viel Vollformat-Glas für wenig Geld

Wenn ich mit der Kamera unter­wegs bin, ver­su­che ich mit wenig Equip­ment so viel­sei­tig wie mög­lich zu sein. Das Tamron 50–400mm F/4.5–6.3 deckt den Tele-Brenn­wei­ten­be­reich aus­rei­chend ab und bietet auch am „kurzen Ende“ viel Spiel­raum. Mit der für die Klasse gerin­gen Masse und dem anspre­chen­den Preis lie­fert das Objek­tiv ein inter­es­san­tes Gesamt­pa­ket für rei­sen­de Hobbyfotograf:innen ab. Nega­tiv ist mir nur das leich­te Spiel am Bajo­nett-Ver­schluss und die feh­len­de Sta­tiv­schel­le auf­ge­fal­len. Die feh­len­de Licht­stär­ke ist der kom­pak­ten Bau­wei­se und dem gerin­gen Preis geschul­det. Mit 1.249 Euro stellt das Tamron 50–400mm F/4.5–6.3 die preis­wer­tes­te Alter­na­ti­ve am Markt der Tele­ob­jek­ti­ve dar. Meine Emp­feh­lung: Gebrauch­te Exem­pla­re gibt es mit etwas Glück unter 1.000 Euro zu haben. Dann steht der (guten) Tele-Foto­gra­fie nichts mehr im Wege.

 


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