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Schifffahrtfreuden bei der Flottenparade in Dresden.

Die säch­si­sche Lan­des­haupt­stadt Dres­den hat ja so einige Schät­ze zu bieten. Einer davon lässt sich auf der Elbe finden: Die „Weiße Flotte“ schip­pert seit 190 Jahren zwi­schen Meißen und dem Elb­sand­stein­ge­bir­ge über den Fluss. Tra­di­tio­nell beginnt am 1. Mai die Haupt­sai­son mit einer großen Parade der Dampf­schif­fe. Ich habe die Stim­mung am Fähr­gar­ten Johann­stadt mit der Kamera eingefangen.

Seit 1836 per Dampfschiff über die Elbe

Doch zuerst ein Blick in die Geschich­te der alt­ehr­wür­di­gen Was­ser­fahr­zeu­ge. Es ist der 08. Juli 1836 als sich in Dres­den die „Elb­dampf­schif­fahrts-Gesell­schaft“ grün­det. Nach nur einem Jahr findet am 30. Juli 1837 die Jung­fern­fahrt des Dampf­schiffs „Köni­gin Maria“ statt. Male­rei­en zeugen von diesen ersten bedeu­ten­den Jahren. Mit dem Inter­es­se für die Elb­schiff­fahrt wächst die Flotte. 1879 wird mit der „Dres­den III“ der ältes­te aktu­ell noch fah­ren­de Damp­fer in den Dienst gestellt. Noch heute zieht das Schiff unter dem Namen „Stadt Wehlen“ Jung und Alt in seinen Bann. Nach der Jahr­hun­dert­wen­de schmü­cken ins­ge­samt 33 Dampf­schif­fe das Stadt­bild rund um das Dresd­ner Terrassenufer.

Die “Köni­gin Maria” vor dem Elb­ufer und der Augus­tus­brü­cke in Dres­den. Quelle: His­to­ri­ker­kreis Elbeschifffahrt

Bis in die 1920er Jahre prägen die Farben grün und weiß den Rumpf, flan­kiert von sand­gel­ben Rad­käs­ten. Erst die „Dres­den“ erhält im Jahr 1926 als neues Flagg­schiff der Flotte das bis heute bekann­te strah­lend weiße Kleid. Nach und nach werden auch die ande­ren Per­so­nen­schif­fe farb­lich ange­passt. Die Geburts­stun­de der „Weißen Flotte“. Die erste Flot­ten­pa­ra­de findet anläss­lich des 100-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums im Jahre 1936 statt. Wäh­rend des 2. Welt­kriegs erhal­ten die Schif­fe einen dunk­len Tarn­an­strich und werden als Laza­rett und Schutz­raum genutzt. Nichts­des­to­trotz schrumpft die Anzahl mit Kriegs­en­de 1945 auf acht ein­satz­fä­hi­ge Dampfer.

Eine Historie mit allerhand Rückschlägen

1948 folgt die Umfir­mie­rung von der Akti­en­ge­sell­schaft zur „VEB Elbe­schif­fahrt Sach­sen“. Obwohl in den 1960er Jahren Motor­be­gleit­boo­te für den Schnell­be­trieb zwi­schen Dres­den und Bad Schand­au den Betrieb ergän­zen, blei­ben die Dampf­schif­fe stets die Publi­kums­lieb­lin­ge. Nach der Wende erfah­ren acht Damp­fer eine 26 Mil­lio­nen D‑Mark teure Sanie­rung sowie Rekon­struk­ti­on im his­to­ri­schen Stil. Neu hinzu kommen die moder­nen Schwes­ter-Salon­schif­fe „Gräfin Cosel“ und „August der Starke“.

Ein­fa­cher wird es aber nicht: Die ersten beiden Jahr­zehn­te des 21. Jahr­hun­derts sind geprägt von Phasen des Hoch­was­sers, aber auch Nied­rig­was­sers. Durch die Aus­fäl­le in der Corona-Pan­de­mie 2020 muss die „Säch­si­sche Dampf­schiff­fahrt“ schließ­lich Insol­venz anmel­den. Heute fährt die „Weiße Flotte Sach­sen GmbH“ unter dem Dach der Schwei­zer Ree­de­rei „United Rivers AG ihre Gäste über die bedäch­tig dahin­flie­ßen­de Elbe.

Feierstimmung im Fährgarten zum Jubiläum

Dass sich die Dresdner:innen mit dieser his­to­ri­schen Insti­tu­ti­on iden­ti­fi­zie­ren zeigt sich all­jähr­lich zum 1. Mai. Dann findet näm­lich, zum Start der Haupt­sai­son, die große Flot­ten­pa­ra­de statt. Schon Monate zuvor sind die Tickets der drei­ein­halb­stün­di­gen Fahrt zwi­schen dem Ter­ras­sen­ufer und dem Schloss Pill­nitz aus­ver­kauft. Kein Wunder, sind die acht Dampf­schif­fe und zwei Motor­schif­fe doch fest­lich geschmückt und mit kurz­wei­li­gen Dixie­land-Bands bestückt. Pünkt­lich 10 Uhr ver­las­sen sie mit einem lauten Pfiff die Anle­ge­stel­len ent­lang des Terrassenufers.

Wer kein Ticket ergat­ter­te, feiert ein­fach vom Ufer aus mit. Wie etwa rund um den Fähr­gar­ten Johann­stadt. Dut­zen­de Schau­lus­ti­ge haben sich bei bestem Fei­er­tags­wet­ter im saf­ti­gen Grün ver­sam­melt. Wäh­rend die einen auf mit­ge­brach­ten Decken pick­ni­cken, winken die ande­ren freu­de­strah­lend, als mit der „Dres­den“ das erste Schiff die Stelle pas­siert. Glück­se­lig erwi­dern die Passagier:innen mit aus­ge­brei­te­ten Armen. Auch der Kapi­tän grüßt mit einem langen, lauten Dampf­pfiff. Indes­sen erschallt aus den Laut­spre­chern flotte Live-Musik, die auch auf der Wiese die Tanz­bei­ne schwin­gen lässt.

Schau­fel um Schau­fel ver­drängt klat­schend das Wasser unter den Dampf­schif­fen. Am Ufer landen erst kleine, dann grö­ße­re Wellen an. Nach und nach bewe­gen sich auch „Leip­zig“, „Pill­nitz“, „Meis­sen“ und Co. zurück zum Ter­ras­sen­ufer. Und der Jubel lässt nicht ab. Toll, dass die Freude über die his­to­ri­schen Dampf­schif­fe nicht nur Men­schen, son­dern auch Gene­ra­tio­nen ver­bin­det. Zu Wasser und zu Land.


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