Wenn die Bäume ausschlagen und sich die Wiesen saftig grün färben, ist die perfekte Zeit, um wieder einmal die Sächsische Schweiz zu erkunden. Fernab der großen Menschenströme lohnt sich ein Abstecher zu den Sandsteinfelsen links und rechts des Biela-Baches besonders. Einige Eindrücke eines Ausflugs zwischen Sachsenstein, Herkulessäulen und Kaiser-Wilhelm-Feste.
Über Stock und Stein zwischen Hochofen und Sachsenstein
Ausgangspunkt der kleinen Wanderung durch Wald und Flur ist der kleine Parkplatz am historischen Hochofen in Rosenthal. Dort wo zwischen 1410 und 1736 Eisenerz aus den Hammerwerksgruben Gottleuba/Berggießhübel verhüttet wurden, führt der Weg hinein in den ergrünenden Mischwald. Im felsigen Boden streckt der Wald-Sauerklee seine Blüten der Sonne entgegen. Stufe für Stufe geht es hinauf bis zu einer weiten Lichtung. Doch die Sonnenstrahlen erwärmen nicht allzu lang unsere Haut, bevor es wieder im Wald hinüber zum Nachbarfels geht. Von dort bietet sich eine herrliche Aussicht auf das Tal mit Schweizermühle und dem Rosengarten.
Unter herabgefallenen Felsen hindurch und über hohe Leitern hinab führt der Weg nunmehr zur sprudelnden Sophienquelle, deren Name zu Ehren einer Tochter des Königs Johann, Prinzessin Sophia, gewählt wurde. Parallel zur spärlich befahrenen Straße geht es weiter zu einem Highlight der Wanderung, dem Sachsenstein. Vom weiten Plateau erlauben massive Eisenleitern den Aufstieg. Vorausgesetzt man leidet nicht unter Platzangst. Denn im Felsspalt zwischen den schroffen Sandsteinen ist teilweise nicht mehr als ein halber Meter Platz. Oben auf 425 Meter über Meereshöhe angekommen entschädigt eine grandiose Aussicht auf die schmalen Nadeln der Herkulessäulen und die Kaiser-Wilhelm-Feste.
Auf dem Weg zur Rast an der Daxensteinbaude
In der Mittagszeit, wenn die Sonne ihren Zenit erreicht, spendet der ergrünende Wald willkommenen Schatten. Der Weg hinüber zu den Kletterfelsen der Johannismauer ist dann ein wahrer Genuss. Besonders für Familien stellt die Formation ein lohnendes Ausflugsziel dar, bietet die Ebene viel Raum zum Picknicken. Doch längst ist das Areal zwischen Artariastein, Johannisturm und Morsche Wand kein Geheimtipp mehr: An diesem Mai-Samstag herrscht Trubel zwischen Wurzeln, Bäumen und Felsen.
Deshalb entscheiden wir uns die Tour über den Kerbensteig flink fortzusetzen. Vom Waldweg eröffnet sich immer wieder ein toller Blick über das Tal zu den imposanten Sandsteinen auf der anderen Seite. Als sich das erste Mal unsere Mägen melden, freuen wir uns mit der Daxensteinbaude eine einladende Raststätte zu erreichen. Der verlockende Geruch von frisch gegrillter Bratwurst, frittierten Pommes und frisch gebackenem Kuchen macht ein Weiterlaufen quasi unmöglich. Dass der Imbiss die leckere Einsiedler Fassbrause aus Chemnitz im Angebot hat, bringt mich zum Schmunzeln.
Von der Ottomühle über Herkulessäulen und Kaiser-Wilhelm-Feste zurück zum Parkplatz
Frisch gestärkt nehmen wir die zweiten vier Kilometer der kleinen Genusswanderung in Angriff. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tals ist der Pfad geprägt von zerklüfteten Felsen und schutzbringenden Höhlen. Aber auch so einige Johannisbeer-Sträucher mit ersten Früchten säumen den Wegesrand. Immer wieder eröffnen sich atemberaubende Panoramen wie etwa am pilzförmigen, 30 Meter hohen Kanzelturm. Besonderes Aufsehen erregen die spitzen Herkulessäulen, die an diesem milden Sonnentag von Kletternden nur so übersäht sind.
Ein spezielles Kuriosum findet sich im weiteren Verlauf der Route nur wenige Minuten entfernt. Auf einem breiten Felsen steht ein massiver Turm, der an eine kleine Burganlage erinnert. Der Rosenthaler Baumeister J.G. Kaiser soll die künstliche Bastion nach einer bierseligen Stammtischwette im Jahr 1880 errichtet haben. Bei schlechtem Wetter dient die Kaiser-Wilhelm-Feste bis heute als trockener Unterschlupf. Gut, dass wir vor den letzten Wanderkilometern nicht auf die Dienste zurückgreifen müssen. Wieder im Tal zurück, führt der Weg vorbei am Felsenkeller Bielatal und großen Teppichen aus Busch-Windröschen. Als unsere Schatten spürbar länger werden, erreichen wir beseelt den Parkplatz am Hochofen. Und erkennen wieder einmal ehrfürchtig, wie unglaublich schön die Natur der Sächsischen Schweiz doch ist.
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